Anonymous : FBI unterwandert Hackerszene

Die Bundesanwaltschaft in Manhattan hat Anklage gegen insgesamt sechs Hacker aus den USA, England und Irland erhoben.

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In geheimen Operationen und mit zunehmendem Druck jagen die Fahnder der US-Bundespolizei FBI international agierende Hacker. Die Verhaftung von sechs Hackern der Netz-Guerilla Anonymous und deren Anklage vor Gericht ist nach Einschätzung der US-Ermittler ein gravierender Schlag gegen die Szene. Die Behörden nennen die Anklage in US-Medien den ersten signifikanten Ermittlungserfolg in diesem Bereich.

Die Bundesanwaltschaft in Manhattan hat jetzt Anklage gegen insgesamt sechs Hacker aus den USA, England und Irland erhoben. Nach Auffassung der Ermittler sind diese führende Mitglieder der international agierenden Netzwerke Anonymous und Lulzsec. Zwei der Hacker wurden am Dienstag festgenommen, einer mit einem Großaufgebot der Polizei in Chicago, einer in Irland. Ein Dritter war bereits im Sommer in England festgesetzt worden. Ein weiterer ist in den USA auf Kaution frei. Allen sechs werden Cyberattacken gegen große Unternehmen und Regierungsbehörden zugerechnet.

Unter den Gruppen-Namen Anonymous und Lulzsec oder auch Internet Feds haben sich Hacker in den vergangenen Jahren in die Server etwa von Sony, Fox News, der US-Sicherheitsfirma HBGray oder der CIA eingeloggt. Teils digitale Spaßguerilla, teils digitaler Arm politischer Protestbewegung, ließen sie mit Massenanfragen die Rechner von Zahlungsunternehmen in die Knie gehen oder veröffentlichten Kundendaten, auch die interne Kommunikation von Sicherheitsbehörden.

Auf die Spur gekommen ist das FBI fünf der sechs Angeklagten durch den New Yorker Hector Xavier M. alias „Sabu“. Der Star-Hacker soll, so legt die Anklage nahe, dem FBI seit dem vergangenen Jahr Einblick in die Szene ermöglicht haben. Dass „Sabu“ seine Anonymous-Freunde allem Anschein nach dem FBI ausgeliefert hat, legt die Erklärung des FBI selbst nahe. M. habe sich bereits im August 2011 für schuldig bekannt. Dessen Information und Schuldbekenntnis seien aber erst am Dienstag offengelegt worden. „Sabu“ bekennt sich dabei nach den FBI-Angaben zu einer langen Reihe von Cyberattacken. Ihm drohen dafür bis zu 124 Jahre Haft. Die Form, in der die bisher unter Verschluss gehaltene Anklage gegen M. in das Verfahren eingebracht wurde, deutet nach Einschätzung von US-Medien darauf hin, dass dieser mit den Behörden kooperiert hat.

Dem jetzt in Chicago verhafteten Jeremy H.  werfen die Behörden den Hack beim Strategieberatungsunternehmen Stratfor im Dezember 2011 vor. Die Stratfor-Unterlagen fanden über die Internetplattform Wikileaks in diesem Jahr ihren Weg an die Öffentlichkeit. „Anonymous hat keine Führer“,  heißt es jetzt auf dem Anonymous-Twitter-Account. „Wir werden stärker sein als je zuvor.“

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