Politik : Anschläge auf Nato geplant

Angeklagter in Brüssel bestreitet aber Kontakt zu Al Qaida

Klaus Bachmann

Brüssel. Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen hat am Donnerstag in Brüssel der bisher umfangreichste Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder des internationalen Terrornetzes Al Qaida begonnen. Unter den 23 Angeklagten ist der aus Tunesien stammende Fußballspieler Nisar Trabelsi, der bei Vereinen in Deutschland und Belgien gespielt hat. Den Angeklagten wird die Gründung einer kriminellen Vereinigung, Dokumentenfälschung und Vorbereitung von Sprengstoffattentaten in Europa vorgeworfen. Einem Teil der Angeklagten wird zur Last gelegt, sie hätten Selbstmordattentäter unterstützt, die zwei Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center in New York im September 2001 den einflussreichen afghanischen Taliban-Gegner Ahmed Massud ermordet haben.

Bei den Tätern wurden gefälschte belgische Pässe gefunden, die von einigen der jetzt Angeklagten stammen sollen. In Trabelsis Brüsseler Wohnung hatten Fahnder bei einer Haussuchung nach dem 11. September 2001 größere Mengen Sprengstoff und Waffen gefunden. Ein in den Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommener Verdächtiger berichtete den Untersuchungsbehörden, Trabelsi habe den Auftrag gehabt, einen Anschlag auf die US-Botschaft in Paris zu verüben. Trabelsi selbst soll vor dem Brüsseler Untersuchungsrichter erklärt haben, er habe einen Anschlag auf den belgischen Nato-Stützpunkt Klein Brogel geplant.

Der erste Hauptangeklagte, der zu Wort kam, Tarek Maroufi, weigerte sich am Donnerstag, die Frage der Vorsitzenden Richterin zu beantworten, ob er sich schuldig oder unschuldig bekenne. Ihm wird vorgeworfen, Freiwillige für Taliban-Trainingslager in Afghanistan angeworben und ihnen falsche Pässe besorgt zu haben. Der Ex-Journalist erklärte, er habe mit Al Qaida nichts zu tun. Er gab zu, Freiwillige angeworben zu haben, aber zum Aufbau einer Untergrundarmee in Algerien, mit der er die Regierung in Marokko habe destabilisieren wollen. Er habe mit radikalen nordafrikanischen Moslemkreisen zusammengearbeitet, um die marokkanische Opposition zu einigen. Dem Untersuchungsrichter warf er vor, seine Aussage, er habe Osama bin Laden in Afghanistan getroffen, erfunden zu haben.

Einer jener Angeklagten, die mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten und deshalb Haftverschonung erhielten, verwickelte sich vor Gericht so sehr in Widersprüche, dass die Befragung abgebrochen wurde. Der Mann hatte mehrere seiner Mitangeklagten belastet.

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