Politik : Anschläge auf Synagogen in Frankreich

Nach einer Serie von Anschlägen gegen jüdische Einrichtungen in Frankreich sind in mehreren Städten die Schutzmaßnahmen um Synagogen verstärkt worden. In der Nacht zum Montag wurde eine Synagoge in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille durch ein Feuer vollständig zerstört. In Nizza wurden Fensterscheiben eines jüdischen Gemeindezentrums eingeschlagen. Auch in der belgischen Haupstadt Brüssel wurden in der Nacht zum Montag Molotowcocktails in eine Synagoge geworfen und damit ein Brand ausgelöst.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin haben die Anschläge verurteilt. Zusätzliche Polizeikräfte seien zur Bewachung von Synagogen in Lyon, Marseille und anderen Städten eingesetzt worden, sagte Innenminister Daniel Vaillant.

Auch der Brand der Synagoge in Marseille ist nach Angaben der Polizei wahrscheinlich kriminellen Ursprungs. Die Flammen brachen aus noch nicht geklärter Ursache kurz vor Mitternacht aus. Den Flammen fielen sämtliche in der Synagoge gelagerten Bücher und Schriftrollen zum Opfer. Die vor 20 Jahren errichtete Synagoge von war bereits im Oktober vergangenen Jahres Ziel eines Anschlags.

Seit Herbst 2000 kommt es in Frankreich immer wieder zu Übergriffen auf jüdische Einrichtungen, die meist im Zusammenhang mit dem Aufstand der Palästinenser im Nahen Osten stehen. Ein kürzlich erschienenes "Weißbuch antisemitischer Gewalt in Frankreich seit September 2000" listet 405 Vorfälle auf.

Auch die jüngsten Anschläge auf die Synagogen sowie auf eine koschere Schlachterei bei Toulouse standen offenkundig im Zusammenhang mit Israels Vorgehen gegen die Palästinenser. In Villeurbanne im Rhonetal wurde zudem am Wochende ein jüdisches Ehepaar überfallen und verletzt. In Lyon fuhr eine Gruppe von etwa 20 Tätern am Samstagmorgen zwei gestohlene Autos als "Rammböcke" gegen die Synagoge und setzte die Fahrzeuge anschließend in Brand.

Gleichzeitig demonstrierten in Paris, Lyon, Straßburg, Marseille und Toulouse am Samstag mehr als 10 000 Menschen in Solidarität mit den Palästinensern. "Wir sind alle Palästinenser" und "Bush Mörder - Scharon Mörder", stand auf den Plakaten der Demonstranten, die dem Aufruf der Vereinigung "Solidarität Frankreich-Palästina" gefolgt waren.

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