Anschläge in Bagdad : Irakische Sicherheitskräfte in der Kritik

Die jüngste Anschlagsserie in Bagdad ist die verheerendste seit dem Abzug der US-Kampftruppen. Politiker weltweit verurteilten die Tat.

Über 90 Menschenleben haben die Anschläge gestern in der irakischen Hauptstadt gekostet. Mehr als 500 Personen wurden verletzt. Politiker auf der ganzen Welt haben die Anschläge verurteilt.

"Die Mitglieder des Rates (...) sprechen den Familien der Opfer ihr tiefstes Beileid aus", sagte der amtierende Präsident des Weltsicherheitsrats, John Sawers, in New York. Auch die EU-Kommission bedauerte den "enormen Verlust an Menschenleben" und bekundete ihre Anteilnahme.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Anschläge ebenfalls "auf das Schärfste". Er erklärte in Berlin, dass nicht Gewalt, sondern nur Dialog und Aussöhnung zu einer Besserung der Situation führen können.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ian Kelly definierte die Anschläge als einen Versuch, die bisher erreichten Fortschritte irakischer Institutionen und die Sicherheitskräfte zunichtezumachen. Die Attentäter "werden aber die Iraker nicht davon abbringen, eine friedliche und prosperierende Gesellschaft aufzubauen".

Ziel der offenbar koordinierten Attacken waren Regierungsgebäude und Wohnviertel in Bagdad. Innerhalb einer Stunde kam es zu mindestens zehn Explosionen in der Stadt. Mit Sprengstoff beladene Lastwagen detonierten vor dem Außenministerium und dem Finanzministerium. Weitere Sprengladungen und Mörsergeschosse explodierten bei den Ministerien für Handel, Gesundheit, Unterricht und Wohnungsbau sowie in den Stadtteilen Karrade, Salihija, Adhamija und Bajaa.

Möglicherweise verhinderten irakische Sicherheitskräfte noch Schlimmeres. In Salihija gelang es ihnen, einen mit einer Tonne Sprengstoff beladenen Lastwagen sicherzustellen und zu entschärfen. Im Stadtteil Mansur wurden Terrorverdächtige festgenommen, die Sprengsätze transportierten.

Fraglich ist, wie es den Attentätern gelang, das Außenministerium anzugreifen. Das Gebäude liegt in der sogenannten Grünen Zone, die intensiv durch irakische Sicherheitskräfte bewacht wird. In ihr liegen das Regierungsviertel und die US-Botschaft. Kritiker vermuteten Sicherheitslücken, für die sie die Regierung verantwortlich machten.

Offiziellen Angaben zufolge sind mittlerweile zehn Sicherheitsfunktionäre festgenommen worden. Hintergrund sei eine Untersuchung wegen Verletzungen der Sicherheitsvorschriften. Das teilte das Amt des Bagdader Sicherheitschefs mit. Die irakischen Sicherheitskräfte räumten eine Mitverantwortung ein, weil sie die Taten nicht verhindert hätten.

Seit dem Abzug der US-Kampfruppen aus den Städten und Dörfern Ende Juni liegt die Verantwortung für die Sicherheit in den Händen von den Einheiten der irakischen Polizei und Armee. Ihnen stehen außerdem noch Bürgerwehren zur Seite, die von den Amerikanern mithilfe von Stammesführern gegründet worden waren.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tos

0 Kommentare

Neuester Kommentar