Anschläge von Bombay : Besitzer des "Taj-Mahal"-Hotels war gewarnt

Das Hotel "Taj Mahal" hätte vorbereitet sein können: Bereits vor den Anschlägen in der indischen Finanzmetropole hatten die Attentäter Warnungen gesendet. Offenbar sollte das Hotel in die Luft gesprengt werden. Der indische Innenminister bot seinen Rücktritt an.

Taj Mahal - nach den Anschlägen
Das Taj-Mahal-Hotel: Nach den Anschlägen. -Foto: AFP

Washington/Bombay/Neu DelhiEs waren Anschläge mit Ansage: Nach Angaben des Eigentümers des von Terroristen gestürmten Luxushotels "Taj Mahal" gab es vor der Anschlagsserie in der westindischen Finanzmetropole Bombay Warnungen vor möglichen Angriffen auf das Hotel. Wie der Chef des Tata- Konzerns, Ratan N. Tata, dem US-Sender CNN sagte, seien verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in dem Haus jedoch vor kurzem teilweise wieder aufgehoben worden. Allerdings hätten die getroffenen Maßnahmen den Angriff auch nicht verhindern können. "Wenn ich bedenke, was wir hatten...es hätte nicht verhindern können, was passiert ist", sagte Tata, zu dessen Konzern die Taj-Hotelkette gehört.

Laut am Samstag vorab veröffentlichten Auszügen des Interviews, das CNN am Sonntag ausstrahlen wollte, nannte Tata keine Einzelheiten zu den Anschlagswarnungen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme hätten aber beispielsweise keine Autos vor dem Haupteingang des Hotels parken dürfen, sagte er. Außerdem hätten Besucher dort durch einen Metalldetektor gehen müssen. Jedoch seien die Terroristen durch den Hintereingang in die Hotelküche gelangt. "Sie wussten, was sie tun", sagte Tata. "Sie hatten alles geplant."

"Es ist offensichtlich, dass sie vorhatten, 5000 Menschen umzubringen"

Wie der Sender NDTV unter Berufung auf Polizeiangaben berichtete, wurde die Anschlagsserie von langer Hand vorbereitet. Eine Gruppe sei bereits vor vier Monaten nach Bombay gereist, um alle möglichen Ziele gründlich auszukundschaften. Nach einem Bericht der Zeitung "Times of India" sollen mehrere Terroristen auch in dem jüdischen Zentrum in Bombay, das später zu einem der Hauptanschlagsziele wurde, für kurze Zeit gewohnt haben. "Sie haben im Nariman-Gebäude zur Miete gewohnt und sich als malaiische Studenten ausgegeben", zitierte die Zeitung eine namentlich nicht genannte Polizeiquelle. Auch dies hätten Vernehmungen Kasavs ergeben. Außerdem sei geplant gewesen, das Luxushotel "Taj Mahal" in die Luft zu sprengen.

Das "Taj Mahal" war eines von insgesamt zehn Zielen, die von den Terroristen am Mittwochabend in Bombay angegriffen worden waren. Die letzten Attentäter, die sich mit hunderten Geiseln in dem 105 Jahre alten Hotelgebäude verschanzt hatten, wurden am Samstag bei heftigen Kämpfen von Sicherheitskräften getötet. Jüngsten offiziellen Angaben zufolge kamen mindestens 183 Menschen ums Leben, 239 wurden verletzt. Unter den rund 20 toten Ausländern sind nach Angaben des indischen Außenministeriums auch drei Bundesbürger.

Die Terroristen wollten nach Überzeugung des Vize-Premierministers im Bundesstaat Maharashtra ein noch viel größeres Blutbad mit Tausenden von Toten anrichten. "Wir haben dermaßen viel Munition bei ihnen gefunden - es ist offensichtlich, dass sie vorhatten, 5000 Menschen umzubringen", sagte R.R. Patil nach Berichten der Agentur PTI.

Nach den Drahtziehern wird intensiv gefahndet

Die Suche nach den Hintermännern der Anschläge läuft indes auf Hochtouren. Der einzig überlebende islamistische Angreifer der Terrorserie von Bombay soll Verbindungen zu einer in Pakistan ansässigen Rebellengruppe gestanden haben. Der 21-jährige Ajmal Amir Kamal habe bei Verhören ausgesagt, dass alle Angreifer pakistanische Staatsbürger gewesen seien, wie mehrere Zeitungen am Sonntag unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichteten. Demnach gab er zudem an, dass alle Kämpfer von der Rebellengruppe Lashkar-e-Toiba trainiert worden seien.

Die radikalislamische Gruppe Lashkar-e-Toiba ("Armee der Reinen") kämpft für die Unabhängigkeit Kaschmirs. Sie wurde 1986 in der umstrittenen Grenzregion gegründet, die seit einem halben Jahrhundert Streitobjekt zwischen Indien und Pakistan ist. Seit rund sechs Jahren ist die Rebellengruppe in beiden Ländern verboten. Indien macht sie immer wieder für Anschläge verantwortlich.

Unterdessen bot der nach den Terroranschlägen in Bombay heftig in die Kritik geratene indische Innenminister Shivraj Patel seinen Rücktritt an. Wie die Nachrichtenagentur PTI am Sonntag berichtete, übergab er Premierminister Manmohan Singh ein Schreiben, in dem er um seine Entlassung bittet. Nach einem Bericht des Senders NDTV, hatte Patil bereits am Vortag während einer Krisensitzung der Führung der regierenden Kongresspartei die "moralische Verantwortung" für die Anschlagsserie übernommen. Noch ist unklar, ob Premier Singh den Rücktritt annimmt. (nis/dpa/AFP)

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