Politik : Anschläge waren für 4. Juli geplant

Bostoner Attentäter nennt Details zum Bombenbau.

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Washington - Die Bombenleger beim Boston Marathon hatten ursprünglich einen Anschlag in New York am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, geplant. Doch dann kamen sie beim Bau der Bomben, die sie in der Küche des älteren und verheirateten Attentäters, Tamerlan Zarnajew, zusammenschraubten, schneller als erwartet voran und nahmen das Sportfest in der Stadt, in der sie seit Jahren leben, ins Visier. Das hat der jüngere Attentäter Dschochar Zarnajew nach Angaben der Bundespolizei FBI bei seiner ersten Vernehmung am 21. April ausgesagt, als er im Krankenhaus wieder zu Bewusstsein kam.

Er und sein Bruder hätten Predigten des radikalen Islamisten Anwar al Awlaki im Internet angeschaut. Awlaki stammt aus einer wohlhabenden jemenitischen Familie, ist in den USA geboren und aufgewachsen und hat dort nach einer vorübergehenden Rückkehr in den Jemen studiert. Er betätigte sich als Imam in Denver und übersiedelte erneut in den Jemen, von wo aus er über das Internet Nachwuchs für das Terrornetzwerk Al Qaida rekrutierte. 2011 wurde er bei einem Drohnenangriff getötet.

Die Details verstören die amerikanische Öffentlichkeit und lösen neue Fragen aus. Zum Beispiel, ob die Zarnajews wirklich isolierte Einzeltäter waren, wie die Ermittler bisher vermuten, oder im Kontakt mit Terrorgruppen im Ausland standen. US-Medien spekulieren über eine mögliche Mitwisserschaft oder gar Hilfe durch weitere Familienmitglieder, darunter die amerikanische Ehefrau des älteren Zarnajew sowie die Mutter der beiden Brüder, die bereits vor Jahren in die Datenbank Tide aufgenommen war. Dort sammeln die USA Hinweise auf Menschen mit potenziellen Verbindungen zu Terroristen.

In den Nachrichtensendungen der Fernsehsender fragen die Moderatoren, wie es möglich sei, dass ein Mann, der mit Frau und Kind zusammenlebt, in der Küche unbemerkt über längere Zeit am Bau von Bomben arbeiten könne? Die Ermittler stellten klar, dass die weiblichen Fingerabdrücke, die auf Überresten eines als Bombe benutzten Schnellkochtopfs gefunden worden waren, nicht von Tamerlans Ehefrau Katherine Russel stammen. Zunächst zogen die Zarnajews nach Aussage des jüngeren Bruders auch Selbstmordanschläge in Erwägung. Der Entschluss, die Bomben beim Boston Marathon am 15. April einzusetzen, sei erst wenige Tage vor dem Anschlag gefallen.

Die USA wollen indes nach Medienberichten Visabestimmungen für Studenten verschärfen. Es gehe darum, dass Pass- und Zollbeamte schnellere Informationen über einreisende ausländische Studenten erhalten, berichtete der TV-Sender NBC. Christoph von Marschall

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