Politik : Anschlag auf ägyptischen Grenzposten

16 Soldaten auf Sinai-Halbinsel nahe bei Israel getötet / Oberster Militärrat verspricht Rache.

Astrid Frefel/rtr

Kairo - Ägyptens Oberster Militärrat will die unverzügliche Vergeltung. Eine bewaffnete Gruppe hatte am Sonntagabend auf dem Sinai ein kleines Camp mit ägyptischen Grenzwächtern überfallen und dabei 16 Soldaten getötet. Die Angreifer konnten zwei gepanzerte Fahrzeuge kapern und fuhren damit in Richtung des israelischen Grenzübergangs Kerem Shalom, wo sie von der israelischen Armee unter Feuer genommen und getötet wurden. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barack sagte am Montag, acht Angreifer seien getötet worden. Er hoffe, der Zwischenfall sei ein Weckruf für Ägypten. Israel wirft Kairo seit langem vor, nicht genug für die Sicherheit auf der Sinai-Halbinsel zu tun.

Offizielle Stellen in Ägypten machten als Urheber „Dschihadisten“ aus, die aus dem von der Hamas kontrollierten Gaza- Streifen eingesickert sein sollen. Der Grenzübergang in Rafah wurde geschlossen. Nach Darstellung der Muslimbruderschaft steckt hinter dem Angriff der israelische Geheimdienst Mossad. Es handele sich um den Versuch, die Arbeit von Präsident Mohammed Mursi zu hintertreiben, hieß es am Montag auf der Internetseite der Muslimbrüder. Es sei zwingend erforderlich, die Vereinbarungen zwischen Ägypten und Israel zu überprüfen.

Nach einer Dringlichkeitssitzung mit Verteidigungsminister Hussein Tantawi betonte Mursi, die Sicherheitskräfte würden keine Ruhe geben, bis die Hintermänner gefunden und vor Gericht gestellt seien. Die Revolutionsbewegung des 6. April kritisierte die Armee. Sie würde sich vor allem mit Innenpolitik beschäftigen und dabei ihre Sicherheitsaufgaben vernachlässigen.

Für Mursi wird die angespannte Lage auf dem Sinai zur ersten großen Bewährungsprobe. Tatsächlich ist seit dem Sturz von Hosni Mubarak ein Sicherheitsvakuum spürbar. Als Ursachen gelten eine Verquickung von religiösem Extremismus, Unterentwicklung und dem ungelösten Palästina-Konflikt. In den vergangenen Monaten haben 14 Anschläge auf die Ölpipeline nach Israel und mehrere Entführungen von Touristen für Schlagzeilen gesorgt.

Seit Jahren gibt es Spannungen zwischen den lokalen Beduinen und dem Staat. Die Beduinen lehnen sich gegen die Obrigkeit auf, von der sie sagen, sie würde nichts zur Entwicklung der verarmten Region unternehmen. Kairo wirft den Beduinen mangelnde Loyalität vor. Einmal mehr bestätigt sich: Die Halbinsel mit ihrem gebirgigen Innern, der langen Küste und den Grenzen zum Gaza-Streifen und zu Israel sowie der Nähe zu Jordanien und Saudi-Arabien ist für Ägypten eine strategisch heikle Region. Ein Teil der Halbinsel ist seit dem Camp-David-Abkommen und dem Frieden mit Israel noch immer entmilitarisiert. Kairo argumentiert, dadurch würde der Kampf gegen Terroristen behindert. Astrid Frefel/rtr

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