Politik : Anschlag auf Bundeswehr nahe Kundus

Berlin - Bei einem Selbstmordattentat sind eine Woche vor der Entscheidung über die Verlängerung von Bundeswehr-Mandaten in Afghanistan drei deutsche Soldaten verletzt worden. Sie befanden sich am Freitagnachmittag auf einer Patrouille-Fahrt westlich der Stadt Kundus in Nordafghanistan. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr bei Potsdam sagte am Freitag, am Tatort seien Leichenteile des vermeintlichen Attentäters gefunden worden. Es sei geplant, die drei Leichtverletzten am Samstag ins deutsche Feldlager nach Masar-i-Scharif zu bringen. Dort sollen sie weiter behandelt werden.

Bei dem Zwischenfall wurde auch ein afghanischer Übersetzer verletzt, ein Bundeswehr-Fahrzeug wurde beschädigt. Die Stadt Kundus liegt rund 250 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul. Kundus ist Hauptort der gleichnamigen Provinz im Nordosten des Landes. In der Stadt nahe der tadschikischen Grenze leben je nach Schätzung 50 000 bis 120 000 Menschen. Die Bundeswehr engagiert sich seit 2003 in Kundus, wo sie für ein sicheres Umfeld beim Wiederaufbau sorgen soll. Im Mai waren drei deutsche Soldaten in der Stadt bei einem Selbstmordanschlag getötet worden, zwei weitere wurden verwundet. Die Region in Nordafghanistan gilt verglichen mit dem umkämpften Süden Afghanistans als ruhiger.

Am Freitag kommender Woche will der Bundestag über eine Verlängerung von zwei Bundeswehreinsätzen im Paket entscheiden. Dabei geht es um die deutsche Beteiligung an der internationalen Schutztruppe Isaf sowie die Einsätze von Tornado-Aufklärungsflugzeugen. Mindestens zwölf Grünen-Abgeordnete wollen dem Afghanistaneinsatz zustimmen, wie am Freitag bekannt wurde. Damit würden sich die Abgeordneten gegen den Beschluss des Parteitags von Göttingen stellen, auf dem die Fraktionsspitze dazu aufgerufen hatte, die Verlängerung des Afghanistanmandats abzulehnen. dpa

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