• Anschlag auf den Vatikan geplant: Netzwerk von Islamisten zerschlagen - Vatikan reagiert cool

Anschlag auf den Vatikan geplant : Netzwerk von Islamisten zerschlagen - Vatikan reagiert cool

In Italien ist ein islamistisches Netzwerk zerschlagen worden, das einen Anschlag auf den Vatikan geplant hatte. Der Vatikan reagiert erstaunlich cool auf die Nachricht. Das Netzwerk hatte früher Verbindung zu dem getöteten Al-Qaida-Führer Osama bin Laden.

Gefährdeter Vatikan? Die italienische Polizei ist einer Terroristengruppe auf der Spur, die möglicherweise einen Anschlag auf den Vatikan geplant haben könnte. Foto: Filippo Monteforte/AFP
Gefährdeter Vatikan? Die italienische Polizei ist einer Terroristengruppe auf der Spur, die möglicherweise einen Anschlag auf den...Foto: Filippo Monteforte/AFP

Die italienische Polizei hat auf Sardinien ein Netzwerk von Islamisten zerschlagen, das womöglich Verbindungen zum getöteten Al-Kaida-Führer Osama bin Laden hatte. Infolge der mehrjährigen Ermittlungen ordnete die Polizei die Festnahme von 18 Verdächtigen auf der Mittelmeerinsel und in anderen Landesteilen an, wie sie am Freitag mitteilte. Die Gruppe wird demnach auch verdächtigt, 2010 einen Anschlag auf den Vatikan geplant zu haben.
Laut der Polizei wird den Festgenommenen die Mitgliedschaft in einer Organisation vorgeworfen, die sich "transnationalen kriminellen Aktivitäten" verschrieben habe. Ihr Ziel sei "der bewaffnete Kampf gegen den Westen und die derzeitige Regierung Pakistans nach dem Vorbild Al-Kaidas und anderer radikaler Gruppen" gewesen. Insgesamt wurden 18 Haftbefehle ausgestellt, doch konnten bis Freitagnachmittag nur neun Verdächtige festgenommen werden, darunter drei auf Sardinien.
Laut dem Anti-Terror-Ermittler Mario Carta besteht der Verdacht, dass Mitglieder der Gruppe am Anschlag auf den Meena Bazaar in Peshawar beteiligt waren, bei dem im Oktober 2009 mehr als hundert Menschen getötet worden waren. Pakistans Regierung hatte damals die Taliban für die Tat verantwortlich gemacht, doch hatte die islamistische Rebellengruppe jede Beteiligung bestritten. Laut Carta wurde der Anschlag womöglich vom sardinischen Olbia aus mitgeplant und finanziert.

Vatikan: Es gibt keinen Grund zur Besorgnis

Einer der mutmaßlichen Schlüsselfiguren des Netzwerks ist laut der Polizei der Ladenbesitzer Khan Sultan Wali, der seit langem in Olbia ansässig ist. Ebenfalls eine wichtige Rolle in dem Netzwerk soll der Imam Zulkifal Hafiz Mohammed gespielt haben, der in Norditalien in Brescia und Bergamo für eine internationale Missionsbewegung tätig war.
Zudem sollen unter den Verdächtigen zwei Männer sein, die bin Laden als Leibwächter dienten, bevor dieser im Mai 2011 im nordpakistanischen Abbottabad von einem US-Sondereinsatzkommando getötet wurde. Laut der Polizei blieben andere Mitglieder des Netzwerks nach dem Tod des Al-Kaida-Führers mit dessen Angehörigen in Kontakt.
Der Staatsanwalt Mauro Mura sagte bei einer Pressekonferenz in Cagliari, die Gruppe habe womöglich zudem 2010 einen Angriff auf den Vatikan geplant. Carta sagte allerdings, es gebe einen "starken Verdacht", jedoch keinen festen Beweis. Die Verdächtigen sprachen demnach in abgehörten Telefongesprächen "in ironischer Form über den Papst". Mura stellte seinerseits klar, dass der Vorwurf mangels Beweisen nicht in den Anschuldigungen enthalten sei.
Der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi spielte in einer Erklärung die Bedeutung des Vorgangs herunter. Die angeblichen Pläne gingen auf das Jahr 2010 zurück und seien nicht in die Tat umgesetzt worden, erklärte Lombardi. Es handele sich um nichts Konkretes, und es gebe keinen Grund zur Besorgnis.
Italiens Innenminister Angelino Alfano sprach von einer "außergewöhnlichen Operation". Die Ermittlungen hätten nicht nur zur Zerschlagung eines Rings von Menschenschmugglern geführt, sondern auch zur Festnahme mehrerer Terrorverdächtiger. Laut der Polizei halfen die Verdächtigen Afghanen und Pakistanern, nach Italien zu reisen, um dort Asyl zu beantragen. Mit dem Geld aus diesem Geschäft seien dann Extremistengruppen in Pakistan unterstützt worden. (AFP)

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