• Anschlag auf israelischen Reisebus: Zahl der Opfer auf acht gestiegen - Netanjahu verdächtigt Iran
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Anschlag auf israelischen Reisebus : Zahl der Opfer auf acht gestiegen - Netanjahu verdächtigt Iran

Bei einem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien sind acht Menschen getötet und etwa 30 weitere verletzt worden. Israels Premier Netanjahu verdächtigt den Iran, hinter dem Anschlag zu stehen.

Rauch steigt auf am Flughafen Burgas: Hier ist ein Anschlag auf israelische Urlauber verübt worden.
Rauch steigt auf am Flughafen Burgas: Hier ist ein Anschlag auf israelische Urlauber verübt worden.Foto: dpa

Terror und Tod im bulgarischen Urlaubsparadies Burgas: Bei einem Anschlag auf einen mit israelischen Touristen besetzen Reisebus sind laut Medienberichten zunächst mindestens sieben Menschen getötet worden. Am Donnerstagmorgen teilte das israelische Außenministerium mit, ein weiterer Mann sei seinen Verletzungen erlegen. Unter den nun insgesamt acht Todesopfern seien sechs Israelis und zwei Bulgaren. Außerdem ist von mindestens 32 Verletzten die Rede. Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren kurz zuvor auf dem Flughafen der Schwarzmeerstadt Burgas gelandet, wie der private Sender bTV weiter berichtete.
Nachdem sie den Bus bestiegen hätten, sei dieser explodiert und in Flammen aufgegangen. Die Polizei bestätigte, dass es sich um einen Anschlag handelte, wie die Nachrichtenagentur Novinite berichtete. In dem attackierten Bus hätten auch viele Jugendliche gesessen, meldeten israelische Medien. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschuldigte umgehend den Iran.

In der Nacht zu Donnerstag ist ein Rettungsteam aus Israel nach Bulgarien geflogen. Der israelische Rundfunk meldete, Rettungskräfte und Militärs hätten den Auftrag, die Leichen und Verletzten zurück nach Israel zu holen. Nach israelischen Angaben wurden bei der Bombenexplosion in einem Reisebus mindestens sieben Menschen getötet, unter ihnen sechs israelische Staatsbürger. Mehr als 30 weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Opfern seien viele Jugendliche.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dem Rundfunk am Donnerstag, für den Anschlag seien Mitglieder der libanesischen Hisbollah-Miliz verantwortlich. Den Auftrag hätten sie von Israels Erzfeind Iran erhalten. In Israel werde davon ausgegangen, dass Teheran damit den jüdischen Staat von weiteren Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler abhalten wolle, meldete der Sender.
In Israel wurden unterdessen Vorwürfe über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen des beliebten Touristenorts im Südosten Bulgariens laut. In den vergangenen Monaten habe es dort schon mehrere Anschlagversuche gegeben.

Verteidigungsminister Ehud Barak sprach zunächst von mindestens drei toten Israelis, es gebe aber „möglicherweise mehr“. „Wir verfolgen seit einiger Zeit Absichten von Terrororganisationen - Hisbollah, Hamas, iranischen Elementen und dem Dschihad - Anschläge in aller Welt zu verüben“, sagte Barak. „Wir führen einen langen Kampf gegen sie, es gibt Erfolge und es gibt schwere Tage. Heute ist so ein schwerer Tag.“ Die israelischen Sicherheitsorgane würden „mit aller Macht vorgehen, um zu den Attentätern und ihren Drahtziehern zu gelangen“.

Am Flughafen von Burgas riegelte die Polizei den Explosionsort ab. Auch der Airport stellte den Betrieb ein, wie der deutsche Betreiber Fraport mitteilte. Die Flüge wurden nach Varna umgeleitet. 30 Busreisende seien in ein Krankenhaus in Burgas gebracht worden, meldete bTV. Drei befänden sich in kritischem Zustand.
Israelische Medien meldeten, einige der Touristen seien in Panik aus dem brennenden Bus gesprungen. 40 Menschen sollen sich in dem Fahrzeug befunden haben, auch der Busfahrer soll unter den Schwerverletzten sein. Die Flammen hätten auf zwei weitere Busse übergegriffen.

Mit den Worten „Der Bus neben uns ist in die Luft geflogen. Schwarzer Rauch stieg auf und die Menschen liefen hysterisch in Richtung Terminal“, zitierte die Nachrichtenseite ynet die Israelin Schoschi Eiler. Das Feuer habe schnell gelöscht werden können, hieß es in bulgarischen Medien.

Drei Menschen starben bei einem Anschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen in der bulgarischen Stadt Burgas.
Drei Menschen starben bei einem Anschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen in der bulgarischen Stadt Burgas.Foto: afp

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte ebenfalls sofort den Iran für den Anschlag verantwortlich. „Alle Spuren weisen auf den Iran hin“, sagte er nach Medienberichten. In den vergangenen Monaten habe es versuchte Anschläge auf Israelis in Thailand, Indien, Georgien, Kenia und Zypern gegeben: „18 Jahre nach dem Bombenanschlag auf das Gebäude der israelischen Gemeinde in Argentinien geht der iranische Terror gegen unschuldige Menschen weiter“, sagte der Regierungschef. Er sprach von einer „weltweiten iranischen Terrorkampagne“. Israel werde darauf hart reagieren.

Mit der Anspielung auf Argentinien bezog sich Netanjahu auf einen verheerenden Anschlag auf das Jüdische Zentrum in Buenos Aires, bei dem 1994 mindestens 86 Menschen getötet wurden.

Medienberichten zufolge sei im Außenministerium in Jerusalem eine Krisensitzung einberufen worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte „entsetzt und bestürzt“ auf die Nachrichten aus Burgas. „Ich verurteile den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien auf das Schärfste. Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte Westerwelle in Berlin.

Die Bulgaren sind stolz darauf, dass sie im Zweiten Weltkrieg keine Juden an die Nationalsozialisten ausgeliefert hatten. Diese Selbstgewissheit hat mit dem Attentat Brüche bekommen. Vor ein paar Wochen hatte es vor einem Parteibüro einer Roma-Partei einen Sprengstoffanschlag gegeben. Deshalb wird in Bulgarien auch über andere mögliche Urheber des Anschlags spekuliert als den Iran, den Israel im Verdacht hat.

(dpa)

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