Politik : Anschlag auf Moschee in Sinsheim

Hans Georg Frank

Heilbronn - Die türkische Fatih-Moschee in Sinsheim in Baden-Württemberg ist in der Nacht zum Donnerstag bei einem Brandanschlag beschädigt worden. Gegen 0 Uhr 30 warfen Unbekannte einen Molotowcocktail in eine Glasscheibe über der Eingangstür. Ein Koch und die Frau des Imams, die sich auf dem Gelände aufhielten, bemerkten das Feuer und löschten die Flammen im äußeren Eingangsbereich, noch bevor die Feuerwehr eintraf. Der Innenraum der Moschee wurde nicht beschädigt. Polizei und Staatsanwaltschaft in Heidelberg schätzten den Sachschaden auf rund 10 000 Euro.

Das Staatsschutzdezernat der Heidelberger Kriminalpolizei ermittelt jetzt mit Unterstützung zweier Spezialisten des Landeskriminalamts wegen schwerer Brandstiftung „in alle Richtungen“. Einen Tatverdacht gab es zunächst nicht. Ein Zusammenhang mit aktuellen Brandanschlägen auf muslimische und christliche Einrichtungen in Holland ist für das Landeskriminalamt in Stuttgart offenbar nicht zu erkennen. Für eine abschließende Bewertung sei es jedoch zu früh. „Wir wollen nicht spekulieren“, hieß es.

„Die Täter waren keine Sinsheimer“, waren sich einige befragte Muslime sicher. In der Stadt seien sie sehr gut integriert, sie selber legten großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu ihren christlichen Nachbarn, die auch zu Festen eingeladen würden. „Bei uns gibt es keine holländischen Verhältnisse.“ Die Moschee mit einem weit sichtbaren 26 Meter hohen Minarett liegt in einem Industriegebiet der Stadt, die 35 000 Einwohner hat. Die türkische Islamgemeinschaft mit 400 Mitgliedern hatte 1999 für 1,4 Millionen Euro ein früheres Möbelhaus zum religiösen Gemeindezentrum umgebaut. In der Nähe führt die Autobahn 6 Heilbronn – Mannheim vorbei.

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