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Anschlag auf Polizeicamp in Libyen : Zahl der Toten steigt auf mindestens 70

In Libyen sollen bei einem Anschlag Dutzende Polizisten getötet worden sein, viele wurden verletzt. Mindestens 100 wurden verletzt.

Libyen - hier ein Foto aus dem Dezember aus Bir al Ghanam (90 Kilometer nördlich von Tripolis) - kommt nicht zur Ruhe.
Libyen - hier ein Foto aus dem Dezember aus Bir al Ghanam (90 Kilometer nördlich von Tripolis) - kommt nicht zur Ruhe.Foto: dpa

Bei dem Selbstmordanschlag auf ein Trainingscamp der Polizei in Westlibyen sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Lana mindestens 70 Menschen getötet und mindestens 100 verletzt worden. Die Agentur berief sich dabei auf den örtlichen Krankenhausdirektor der betroffenen Stadt Sliten.

Der Stadtrat teilte am Donnerstag mit, ein mit Sprengstoff gefüllter Lastwagen sei in der Nähe einer Gruppe von Polizisten explodiert. Auf dem Gelände würden Sicherheitskräfte der Küstenwache ausgebildet. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verübt worden. Der IS beherrscht in dem Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Sliten ist allerdings nicht für die Anwesenheit von Dschihadisten bekannt.

„Wir haben Informationen, dass vor zwei Tagen ein Boot in der Stadt angekommen ist, das Fremde an Bord hatte“, sagte ein Sicherheitsmitarbeiter in der Stadt der Deutschen Presse-Agentur. Am Mittwoch hätten Sicherheitskräfte versucht, alle Menschen ausfindig zu machen, die sich illegal in der Stadt aufhielten. „Aber leider konnten wir dieses Desaster nicht stoppen.“
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte das Attentat. „Der Anschlag zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass alle Libyer dem Krebsgeschwür des Terrors gemeinsam entgegentreten“, sagte er am Donnerstag in Berlin. Jetzt müsse so schnell wie möglich die geplante Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Auch der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, verurteilte den Angriff.

Machtvakuum nach Gaddafis Sturz

Anfang der Woche hatte der libysche IS-Ableger bereits große Ölhäfen nahe seines Einflussgebietes angegriffen. Die Gefechte mit Wachen setzten am Mittwoch zudem sieben Öltanks in Brand.
Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi hatten zwei konkurrierende Regierungen die Führung des Landes jeweils für sich beansprucht - das von Islamisten dominierte Tripolis und die international anerkannte Regierung im ostlibyschen Tobruk.
Politiker der beiden Führungen hatten im Dezember einen UN-Friedensplan für das Land unterzeichnet, der allerdings noch nicht in Kraft ist. Er sieht die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Auch durch dieses Machtvakuum im Land konnten extremistische Gruppen in Libyen Fuß fassen. (dpa)


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