Politik : Anschlag auf türkischen Militärbus

Fünf Tote bei Attentat in Diyarbakir, einem Brennpunkt des Konflikts mit der PKK

Diyarbakir - Bei einem schweren Autobombenanschlag im südosttürkischen Diyarbakir sind am Donnerstag nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern mindestens fünf Menschen getötet und 70 weitere verletzt worden. Die Autobombe sei ferngezündet worden, als ein Militärfahrzeug eine Straße im Stadtzentrum passiert habe, sagte Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu. Nur rund hundert Meter vom Anschlagsort entfernt befinden sich ein Armeestützpunkt und Unterkünfte der Streitkräfte. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und die US-Botschaft in Ankara verurteilten den Anschlag als „terroristischen Akt“. Zunächst war unklar, wer hinter dem Anschlag steckte.

Diyarbakir ist eines der Zentren des Unabhängigkeitskampfes der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im überwiegend von Kurden bewohnten Südosten der Türkei. In der Vergangenheit hatte sich die PKK immer wieder zu Bombenanschlägen in Diyarbakir und anderen großen Städten in der Region bekannt. In jüngster Zeit hatte die türkische Armee ihr Vorgehen gegen mutmaßliche PKK-Kämpfer in der Südost-Türkei drastisch verschärft und auch Luftangriffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak geflogen, der als Rückzugsgebiet der Unabhängigkeitskämpfer gilt.

Sprengstoffexperten suchten kurz nach der Explosion nach Spuren. Die Polizei riegelte den Tatort ab und erklärte, dies sei eine Sicherheitsmaßnahme wegen möglicher weiterer Explosionen. Nach eigenen Angaben fahndete die Polizei nach zwei Menschen, die nach Augenzeugenberichten vom Anschlagsort geflohen waren. Zunächst war aber unklar, ob es sich bei diesen um Verdächtige handelte.

Bei zwei der Toten handelt es sich nach Behördenangaben um Schüler, die in der Nähe des Anschlagsorts Privatstunden nahmen. Unter den Verletzten waren demnach rund 30 Soldaten sowie erwachsene Zivilisten und weitere Schüler. Unmittelbar nach dem Anschlag zeigten Fernsehbilder, wie Verletzte in mehrere Krankenwagen getragen wurden und Feuerwehrleute gegen ein großes Feuer ankämpften. Bei der Explosion wurden das Armeefahrzeug und fünf weitere Autos zerstört.

Wieder habe der Terrorismus seinen „hässlichen Kopf“ gehoben“, sagte Erdogan im türkischen Fernsehen. „Aber diese Vorfälle können unserer Entschlossenheit nichts anhaben, zu Hause und im Ausland gegen den Terrorismus anzukämpfen“, betonte er. Die US-Botschaft bezeichnete das Attentat als „furchtbares Beispiel für die sinnlosen Tragödien, die durch den Terrorismus verursacht werden“. Washington „bekräftigt seine Entschlossenheit, der Türkei im Kampf gegen jede Art von Terrorismus beizustehen“, hieß es in einer Erklärung. In ihrem Konflikt mit den Kurdenrebellen hat die türkische Armee nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 312 PKK-Kämpfer getötet. 196 PKK-Angehörige seien gefangen genommen worden, 106 hätten sich ergeben, hatte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet. AFP/dpa

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