Politik : Anschlag auf US-Botschaft in Damaskus

Drei Attentäter und ein Sicherheitsbeamter getötet / Hintergründe zunächst unklar

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Einen Tag nach dem fünften Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September ist die US-Botschaft in Damaskus angegriffen worden. Unbekannte attackierten am Dienstagmorgen das Gebäude im Zentrum der syrischen Hauptstadt. Nach offiziellen Angaben wurden drei Angreifer und ein Mitglied einer syrischen Antiterroreinheit getötet. 14 Menschen wurden verletzt, darunter ein chinesischer Diplomat. Dennoch konnte offenbar Schlimmeres verhindert werden: Der Nachrichtenagentur Sana zufolge entschärften die Sicherheitskräfte eine vor der Botschaft platzierte Autobombe. US-Außenministerin Condoleezza Rice dankte Syrien für den Einsatz gegen die Angreifer.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, der chinesische Diplomat sei durch eine fehlgeleitete Kugel verletzt worden. Er habe sich auf dem Dach der nahe gelegenen chinesischen Botschaft aufgehalten. Die US-Botschaft liegt im Zentrum von Damaskus, wo mehrere diplomatische Vertretungen ihren Sitz haben. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, die deutsche Botschaft sei nicht betroffen.

Zuvor hatten Augenzeugen von mehreren Explosionen und heftigen Schüssen berichtet. Der Hausmeister eines nahe der Botschaft gelegenen Geschäfts sagte, die Sicherheitskräfte hätten auf ein Auto geschossen, das auf die Botschaft zugesteuert sei. Daraufhin hätten die Insassen des Wagens Granaten in Richtung des Gebäudes geworfen. Fernsehbilder der BBC zeigten ein ausgebranntes Auto und große Blutlachen auf dem Bürgersteig. Außerdem war ein mit Gasflaschen beladener Kleinlaster zu sehen.

Der Anschlag gibt viele Rätsel auf. Er scheint sich gleichzeitig gegen die USA und das syrische Regime zu richten. Denn der Anschlag hat die Schwäche des syrischen Sicherheitsapparates offen gelegt – auch wenn größerer Schaden vermieden wurde. Das Viertel Abu Remmeneh mit seinen vielen westlichen Botschaften ist stark bewacht. Der Geheimdienst und der Polizeiapparat sind legendär in Syrien und die Stütze des Baath-Regimes unter Präsident Baschar al Assad. Die Tatsache, dass Terroristen sich der US-Botschaft so nähern können, ist eine Blamage für das syrische Regime. Doch damit passt der Anschlag nicht in das Raster von Al Qaida und ihren Anhängern, die in der Regel in Staaten angreifen, deren Regime als enge Verbündete der USA gebrandmarkt werden. Zu diesen gehört das syrische Regime definitiv nicht. Auch die mangelnde Professionalität der Angreifer spricht gegen Al Qaida: Experten werten die Sprengsätze als einfache, selbst gebaute Bomben. Die Angreifer schossen mit Maschinengewehren gegen die bekanntermaßen schusssicheren Mauern und Türen der US-Botschaft.

Die beiden Bevölkerungsgruppen in Syrien, in denen der politische Unmut groß ist, sind die Kurden und die Islamisten. Da die Angreifer Gott angerufen haben sollen bei ihrem Sturm auf die Mauern der Botschaft, kämen möglicherweise islamistische Extremisten in Frage. Die Muslimbrüder sind verboten und werden erbarmungslos verfolgt. Angesichts der politischen Entwicklungen in der Region rumort es aber unter ihnen.

Eine weitere These lautet, dass der jüngste Anschlag im Zusammenhang mit den Kriegen im Libanon oder im Irak steht und doch in erster Linie den Amerikanern galt. Dabei könnte es sich auch um ausländische Täter handeln. Syrien hält noch immer eine panarabische Ideologie hoch und eine praktische Folge davon ist, dass Araber kein Visum für Syrien brauchen. So hat Syrien auch viele irakische Flüchtlinge aufgenommen. Diese Politik der offenen Grenzen macht die Lage für das Regime unübersichtlicher. an/AFP

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