• Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin : „Das beschäftigt heute jeden bei der Arbeit“

Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin : „Das beschäftigt heute jeden bei der Arbeit“

Die Unternehmen in Berlin haben am Dienstag Verständnis für ihre Mitarbeiter. Zu Hause bleiben dürfen sie per se aber nicht.

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üZahlreiche Menschen stellen am Dienstag (20.12.16) vor der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedaechtniskirche Kerzen auf und legen Blumen nieder für die Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt.
üZahlreiche Menschen stellen am Dienstag (20.12.16) vor der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedaechtniskirche Kerzen auf und legen Blumen...Foto: epd

„Wenn die Kollegen heute länger zusammen stehen und einen Kaffee trinken, ist das vollkommen in Ordnung und normal“, sagte Siemens-Sprecher Michael Friedrich am Dienstag. „Ich glaube nicht, dass das heute in irgendeinem Berliner Betrieb anders sein wird.“ Wer nicht zur Arbeit kommen könne, könne bei Siemens recht problemlos einen Tag von zu Hause aus arbeiten. „Zumindest im Büro“, sagte Friedrich. In der Produktion könnten Schichten zwar getauscht werden. Die Arbeit müsse aber erledigt werden.

Angst vor Terror ist kein Entschuldigungsgrund

Manche Berliner dürften durch den mutmaßlichen Anschlag auf dem Breitscheidplatz verunsichert oder in Angst sein, andere brauchten morgens mehr Zeit mit den Kindern. Zudem hatte die Polizei die Bürger am Montagabend aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Gründe, der Arbeit fernzubleiben sind das aber nicht. „Die Polizei-Aussage bezog sich gestern Abend auf die akute Situation in zeitlichem Zusammenhang mit dem Anschlag und sollte in erster Linie der freien An-und Abfahrt der Sicherheits- und Rettungskräfte dienen“, erklärte Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Abeln Rechtsanwälte Kurfürstendamm.

Die Polizei habe auch nicht ein generelles Ausgehverbot für Berlin oder einzelne gefährdete Orte wie den Hauptbahnhof ausgesprochen. Arbeitnehmer müssten in solchen Situationen versuchen, mit allen zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln ihre Arbeitsstätte zu erreichen. Ist das nur mit Verspätungen möglich, müsse der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber darüber telefonisch oder per Mail informieren. „Er ist in diesem Fall entschuldigt“, sagte er. Die Angst vor Terror allein sei kein Entschuldigungsgrund von der Arbeit fern zu bleiben. „Erst wenn ein solcher Grad von Angst erreicht ist, der eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit begründet, kann ein Fernbleiben von der Arbeit gerechtfertigt sein.“

„Es herrscht Betroffenheit, Trauer, Mitgefühl“

Bei Vattenfall sei die „Stimmung scheiße“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Zwar gebe es noch keine Hinweise, dass Mitarbeiter unter den Opfern oder den Angehörigen der Opfern seien, aber es könne auch noch nicht sicher ausgeschlossen werden. „Was passiert ist, beschäftigt heute jeden bei der Arbeit“, sagte er. Das Unternehmen verschickte am Morgen eine interne Mail mit einer Telefonnummer des psychologischen und medizinischen Dienstes. „Wenn die Kollegen über den Vorfall reden, wird heut niemand sagen: Jetzt arbeitet mal weiter!“

Bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) war der vermutliche Anschlag ebenfalls Gesprächsthema. „Es herrscht Betroffenheit, Trauer, Mitgefühl“, sagte Kommunikationschefin Sabine Thümler. Sich auszutauschen sei wichtig. Vor allem dann, wenn die Mitarbeiter in der Nähe des Breitscheidplatzes zu tun hätten. „Da müssen die Führungskräfte heute besonders sensibel mit umgehen“, sagte sie. Trotz allem müsse der Alltag weitergehen. „Wir können nicht sagen, uns geht es nicht gut, die Mülltonnen bleiben heute stehen.“

Die Menschen wollen sich nicht verkriechen

Die BVG hatte die Mitarbeiter schon in der Nacht zu Dienstag informiert. Nach den Anschlägen in London, Barcelona und Brüssel fühle man sich bei einem Verkehrsunternehmen automatisch betroffen. „Da hält man erstmal kurz den Atem an“, sagte eine Sprecherin. Wenn ein Mitarbeiter sehr mitgenommen sei, weil er dort oder ganz in der Nähe gewesen war, könnte jemand prinzipiell einen Tag zu Hause bleiben. Die Menschen wollten sich aber auch nicht verkriechen. „Ich sehe eine große Bereitschaft, dass alles weiter läuft und funktioniert“, sagte sie.

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