Anschlag : Bomben auf Betende in Pakistan

Bei einem verheerenden Terrorangriff auf eine Moschee der pakistanischen Streitkräfte sind in der Garnisonsstadt Rawalpindi mindestens 36 Menschen ums Leben gekommen. Beobachter vermuten Racheakt der Taliban.

 Christiane Möllhoff[Neu-Delhi]

Das Freitagsgebet ging gerade zu Ende, und die Moschee in der Nähe von Pakistans Militärhauptquartier war voller Menschen, als die Extremisten das Feuer eröffneten und Handgranaten auf die Betenden warfen. Zugleich sprengten sich zwei Selbstmordattentäter mitten in der Moschee in die Luft, das Dach stürzte ein. Die Terrorwelle im südasiatischen Atomstaat Pakistan will nicht enden – und die Zahl der Terroropfer steigt. Am Freitag traf es erneut die Garnisonsstadt Rawalpindi, die an die Hauptstadt Islamabad grenzt. Mindestens 36 Menschen starben bei der jüngsten Attacke, weitere 70 wurden verletzt. Die Täter hatten ihr Ziel offenbar mit Bedacht ausgewählt: Die Moschee wird zum Freitagsgebet vor allem von Angehörigen der Armee besucht, deren Gebäude und auch Wohnhäuser nicht weit entfernt liegen.

Der genaue Tathergang blieb zunächst unklar, ebenso wie die Zahl der Täter. Die Polizei berichtete von Schusswechseln und Explosionen kurz nach Ende des Gebetes. Einige Medien meldeten, zwei Selbstmordattentäter hätten sich unter die Betenden gemischt und dann in die Luft gesprengt. „Es gab zwei Selbstmordattentäter“, bestätigte Innenminister Rehman Malik laut Agenturen. Andere Extremisten hätten auf die Betenden geschossen und sie mit Handgranaten attackiert. Dabei hätten sie auch die gesonderten Frauenräume nicht verschont. Ein Augenzeuge erzählte dem Fernsehsender Geo TV: „Es waren 200 bis 300 Betende in der Halle. Meist gehen Armeeangehörige zum Freitagsgebet in die Moschee.“ Der Tatort wurde umgehend abgeriegelt, Hubschrauber kreisten über dem Gelände. Die Armee in Lahore und anderen Städten wurden in Alarmzustand versetzt.

Das 170-Millionen-Einwohner-Land erlebt eine blutige Anschlagsserie, seit das Militär in Süd-Wasiristan eine Offensive gegen den Taliban-Führer Hakimullah Mehsud und seinen Verband Tehrik-e-Taliban gestartet hat. 30 000 Soldaten wurden in das Unruhegebiet geschickt. Damit kam Pakistan den Wünschen der USA nach. Hakimullah Mehsud hat dem Militär mit einem blutigen Rachefeldzug gedroht. Auch bei diesem Anschlag fiel der erste Verdacht auf seine Leute. „Sie nehmen Rache für die erfolgreichen Operationen von Pakistans Armee im Swat-Tal und in Wasiristan“, sagte Innenminister Malik. Bereits in den vergangenen Monaten waren Militäreinheiten und insbesondere Ziele in der Garnisonsstadt Rawalpindi wiederholt Ziel des Terrors. Im Oktober hatten zehn Extremisten sogar ein Gebäude der Armee gestürmt und dort über 20 Stunden Dutzende Geiseln festgehalten. In den vergangenen zweieinhalb Jahren starben in Pakistan mehr als 2570 Menschen bei Anschlägen.

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