Politik : Anschlag in Jakarta

Verbindung zu Prozess gegen mutmaßlichen Attentäter von Bali?

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta. Bei einer Bombenexplosion auf dem Internationalen Flughafen Jakartas sind am Sonntagmorgen nach Polizeiangaben sechs Menschen verletzt worden. Krankenhausangestellte sprachen von elf Verletzten, darunter ein Baby. Eine Frau verlor bei dem Anschlag ein Bein. Der Sprengsatz verwüstete einen Bereich, in dem hauptsächlich Gastronomiebetriebe liegen. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Bombe in einem koreanischen Restaurant in einer unter einem Stuhl abgestellten Tasche in die Luft gegangen sei.

Laut indonesischer Polizei handelte es sich bei dem Sprengsatz um eine selbst gebastelte „Rohrbombe“, die mit Hilfe einer Motorradbatterie und eines Zeitzünders detonierte. Ein ähnlicher Sprengsatz war am vergangen Donnerstag in Jakartas Innenstadt an der Vertretung der UN explodiert. Damals war aber niemand verletzt worden.

Die beiden letzten großen Bombenattentate in Indonesien liegen erst etwa fünf Monate zurück, sie hatten sich im Oktober 2002 auf der Urlaubsinsel Bali und zwei Monate später auf der Insel Sulawesi ereignet. Auf Bali starben in einem Vergnügungsviertel 202 Menschen, die meisten Opfer waren ausländische Touristen. Auf Sulawesi kamen in einem McDonald’s-Restaurant drei Menschen ums Leben. In der Regel bekennt sich niemand zu den Verbrechen, auch für den jüngsten Anschlag auf den Flughafen von Jakarta übernahm bislang niemand die Verantwortung. Ermittler gehen davon aus, dass die Bomben von Bali und Sulawesi von Mitgliedern der Terrororganisation „Jemaah Islamiya“ (JI) gelegt wurden. Die Gruppe soll Verbindungen zu Osama bin Ladens Al Qaida haben. Der mutmaßliche Chef der JI, Abu Bakar Baashir, steht seit Mittwoch in Jakarta vor Gericht. Ihm wird Landesverrat vorgeworfen, er soll durch eine Terrorkampagne versucht haben, die indonesische Regierung zu stürzen und einen islamischen Staat zu errichten.Unter anderem soll er eine Serie von Anschlägen zu verantworten haben, bei der Weihnachten 2000 in Kirchen 19 Menschen starben und über 100 verletzt wurden. Beobachter vermuten, dass die beiden jüngsten Bombenanschläge in Jakarta im Zusammenhang mit dem begonnenen Baashir-Verfahren stehen.

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