Politik : Anschlag in Moskau: Russische Regierung bittet FBI bei Aufklärung um Hilfe

Bei der Aufklärung des blutigen Bombenanschlags in der Moskauer Innenstadt bittet die russische Regierung um internationale Hilfe. Innenminister Wladimir Ruschailo habe einen Bericht über das Attentat verfasst, den er an 50 Länder schicken werde, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. "Die ausländischen Sicherheitsdienste werden uns Informationen über Menschen liefern, die in das Attentat verwickelt sein könnten", sagte Ruschailo. Laut Interfax vereinbarte er am Donnerstag bei einem Telefongespräch mit dem Chef des US-Geheimdienstes FBI, Louis Freeh, gemeinsame Anstrengungen bei der Untersuchung des Anschlags.

Unterdessen ermitteln die russischen Behörden weiterhin auch in Richtung einer kriminellen Auseinandersetzung mit wirtschaftlichem Hintergrund. Ein Vertreter der Moskauer Staatsanwaltschaft sagte am Freitag, alle Theorien "würden gleichermaßen abgearbeitet". Die Ermittlungen zu der Explosion in einer unterirdischen Ladenpassage am Dienstag würden von einem Staatsanwalt geleitet, der sich gewöhnlich mit Wirtschaftsverbrechen beschäftige, berichtete die liberale Zeitung "Kommersant". Jeder Laden in der Unterführung am Puschkin-Platz werfe monatlich einen beachtlichen Gewinn von umgerechnet fast 22 000 Mark ab.

Bislang hatte die russische Führung in ihren Stellungnahmen vor allem tschetschenische Extremisten der Täterschaft verdächtigt. Doch auch die Theorie eines Kampfes um wirtschaftliche Einflusssphären "hat ihre Berechtigung", sagte Wladimir Itkin von der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsverbrechen der Nachrichtenagentur Interfax. Eine heiße Spur gab es weiterhin nicht.

Die Bombenexplosion in einer belebten Fußgängerunterführung am Dienstagabend hatte acht Menschen getötet und 96 verletzt. Sie zerstörte auch zahlreiche Kioske in der Passage. Sieben der acht Todesopfer sollten am Freitag beerdigt werden, meldete die Agentur Itar-Tass. Das achte Todesopfer sei noch nicht identifiziert.

Von den 56 Verletzten, die noch in Krankenhäusern behandelt wurden, befanden sich nach ärztlichen Angaben 19 weiterhin in kritischem oder sehr kritischem Zustand.

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