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Anschlag in Ottawa : Zwei Tote bei Attentat in Regierungsviertel

Ein Unbekannter hat in der kanadischen Stadt Ottawa um sich geschossen und dabei einen Soldaten getötet. Auch im Parlament und in einem Einkaufszentrum gab es Schüsse. Die Polizei sucht nach weiteren Tätern. Die Hintergründe sind noch vollkommen unklar.

Das Regierungsviertel von Ottawa wurde nach zahlreichen Schüssen von der Polizei abgeriegelt.
Das Regierungsviertel von Ottawa wurde nach zahlreichen Schüssen von der Polizei abgeriegelt.Foto: Reuters

Mitten im kanadischen Regierungsviertel ist ein Soldat niedergeschossen worden und an seinen Verletzungen gestorben. Der Mann habe am Kriegerdenkmal in Ottawa Ehrenwache gestanden, als er von einem Unbekannten angegriffen wurde, hieß es von der Polizei. Bei dem Opfer soll es sich um einen Reservisten handeln. Der Mann stamme aus Hamilton bei Toronto, 500 Kilometer westlich von Ottawa, wie der Sender CBC am Mittwoch meldete.

Angeblich sind nach dem Angriff auch Schüsse im Parlamentsgebäude gefallen. Mehrere kanadische Medien und auch der US-Sender CNN berichteten von einer Schießerei in dem Gebäude. Nach Angaben der Polizei und kanadischer Medien wurde mindestens einer der Angreifer getötet, ein weiterer verschanzte sich womöglich auf dem Dach des Gebäudes. Ein Schütze sei "wahrscheinlich auf dem Dach", sagte ein Polizist.

"Ein Mann ist rennend ins Parlament eingedrungen. Er wurde von mit Gewehren bewaffneten Polizisten verfolgt, die allen zuriefen, in Deckung zu gehen", sagte der Augenzeuge Marc-André Viau. Der Angestellte des Parlaments sagte, er habe bis zu 20 Schüsse aus einer automatischen Waffe gehört. Ein Kameramann vor Ort sprach sogar von rund 50 Schüssen. Hinter den mindestens drei Schießereien in der kanadischen Hauptstadt stecken nach Angaben des Bürgermeisters Jim Watson möglicherweise mehrere Angreifer. Sicherheitsbehörden und Polizei verfolgten derzeit „den oder die Kriminellen, die diese bösartige und unvertretbare Attacke verübt haben“, teilte Watson per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Er sei „schockiert und traurig“ wegen der Ereignisse. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten.“ Das Parlament wurde abgeriegelt, zahlreiche Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Ein Regierungsvertreter sagte, Premierminister Stephen Harper sei in Sicherheit gebracht worden, Mehrere Abgeordnete teilten über Twitter mit, dass sie zwar sicher seien, aber Angst hätten. Kanada und die USA versetzten das gemeinsame Luftverteidigungskommando in erhöhte Alarmbereitschaft. Gepanzerte Fahrzeuge und
schwer bewaffnete Polizisten gingen vor dem Gebäude im Zentrum Ottawas in Stellung.

Weitere Schießerei in Einkaufszentrum

Die Polizei hat unterdessen eine weitere Schießerei in der kanadischen Hauptstadt bestätigt. Auch in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt nahe dem Parlamentsgebäude seien Schüsse gefallen, berichteten kanadische Medien unter Berufung auf Polizeiangaben. Das Einkaufszentrum sei evakuiert worden, teilten die Betreiber per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Ein Verwundeter wird nach dem Attentat in Ottawa von Notärzten abtransportiert.
Ein Verwundeter wird nach dem Attentat in Ottawa von Notärzten abtransportiert.Foto: AFP

Erst am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei kanadische Soldaten überfahren, einer starb.

Die Schüsse am Kriegerdenkmal fielen laut Polizei um 9.52 Uhr Ortszeit (15.52 deutscher Zeit). Passanten versuchten, den Mann mit Erster Hilfe zu retten. Wenig später erlag er jedoch seinen Wunden. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und forderte alle Passanten auf, sich vom Parlamentshügel fernzuhalten. Das Gebiet ist üblicherweise frei zugänglich, Tausende Touristen lassen sich jeden Tag mit den Wachen fotografieren.

Das Denkmal für die Kriegstoten ist unmittelbar am Parlamentspark, nur durch eine Straße getrennt. Die Ehrenwache ist zwar bewaffnet, die Sturmgewehre sind aber gesichert und dienen rein repräsentativen Zwecken. Unklar war zunächst, ob sie normalerweise überhaupt geladen sind. Das Denkmal wurde 1939 für die Toten des Ersten Weltkrieges eingeweiht, dient inzwischen aber auch dem Gedenken für die Opfer anderer Kriege. (dpa/AFP/rtr)

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