Anschlag : Pakistan: Terror gegen die Terrorbekämpfer

Erneut trifft ein Anschlag eine Sondereinheit der pakistanischen Polizei.

von

Mit bloßen Händen graben Retter in den Trümmern nach Überlebenden. Von dem zweistöckigen Gebäude sind nur noch Schutt und Asche übrig. Wieder hat ein Anschlag die Millionenstadt Lahore an der Grenze zu Indien geschockt. Ziel waren die Anti-Terror-Fahnder des Landes. Ein Selbstmordattentäter rammte am Montagmorgen eine Autobombe in ein Gebäude, in dem sich ein Büro der regionalen Anti-Terror-Polizei SIA befand. 13 Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt. Pakistans nationale Anti-Terror-Einheit FIA war in den vergangenen Jahren zwei Mal Ziel von Attacken.

Am Vorabend waren Berichte durchgesickert, dass Pakistan angeblich ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied ins Netz gegangen sei. Nach ersten Angaben sollte es sich um den US-Amerikaner Adam Gadahn handeln, der als englischsprachiger Propagandachef des Terrornetzwerkes gilt. Pakistans Behörden dementierten dies. Bei dem Festgenommenen handele es sich vielmehr um den Amerikaner Abu Yahya Mujahdeen Al Adam, der Kämpfer in Afghanistan befehligte.

Die SIA-Ermittler waren in Lahores Wohngebiet Modeltown umgezogen, weil es nach den Anschlägen an Büroraum mangelte. Die Wucht der Explosion war so gewaltig, dass sie einen drei Meter tiefen Krater riss. Nachbargebäude wurden beschädigt und Schüler einer Koranschule verletzt. Ob die Attacke ein Vergeltungsanschlag auf die mysteriöse Festnahme war, blieb offen. Der erste Verdacht fiel auf die pakistanischen Taliban. Seit das Militär eine Offensive gegen sie in Waziristan startete, überziehen sie das Land mit einer Terrorwelle. Allerdings könnte die Machart des Anschlags auch auf eine Profi-Terror-Gruppe wie Lashkar-e-Toiba hindeuten.

Pakistan hatte in den vergangenen Wochen die Schlinge um die Elite der afghanischen Taliban enger gezogen, die angeblich nun vor allem in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi Unterschlupf gesucht hat. Eine Reihe hochrangiger Führer wurde verhaftet.

Die Verhaftungswelle wirft allerdings mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Die im Westen populäre Lesart, dass Pakistan nun mit dem Kampf gegen die afghanischen Taliban Ernst macht, ist umstritten. Tatsächlich wurden viele Taliban-Führer aus dem Verkehr gezogen, die dem moderateren Flügel zugerechnet werden. Es wird vermutet, dass Pakistan etwa Mullah Abdul Ghani Baradar, Chef-Unterhändler von Taliban-Chef Mullah Omar, bei geheimen Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung, deshalb festgesetzt hat, weil das Land bei Verhandlungen über Afghanistans Zukunft ein entscheidendes Wort mitreden will. mit dpa

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar