Politik : „Anschlag war Mordversuch“

Zwei weitere Festnahmen nach Angriff auf Moschee

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Wolfenbüttel (dpa). Nach dem Brandanschlag auf eine türkische Moschee in Wolfenbüttel ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen sieben Rechtsextreme wegen versuchten Mordes. Am Montag wurden zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Zuvor hatten bereits fünf junge Männer gestanden, das von Türken bewohnte Haus mit Molotowcocktails beworfen zu haben.

Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD) zeigte sich entsetzt über die Tat und verlangte eine schnelle Bestrafung der ausländerfeindlichen Täter. Die Rechtsextremen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren hatten in der Nacht zum Samstag in mehreren Anläufen versucht, das Haus anzuzünden. Im ersten Stock schliefen vier Mitglieder einer Familie, die aber nicht zu Schaden kamen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Eckehard Niestroj, erklärte, die Männer hätten gewusst, dass in dem Haus Menschen lebten und hätten somit deren Tod in Kauf genommen. Deswegen sei der Haftantrag wegen schwerer Brandstiftung nun auch um den Vorwurf des versuchten Mordes erweitert worden.

Einer der am Montag Festgenommenen habe ferner gestanden, bereits im November einen Anschlag auf die Moschee versucht zu haben. „Die Anwohner dachten damals, ein Betrunkener habe randaliert, und erstatteten keine Anzeige“, sagte Niestroj. Erst jetzt hätten Beamte Spuren am Haus entdeckt.

Die sieben Männer gehören alle der rechten Szene an, fünf kommen aus Wolfenbüttel, zwei aus Salzgitter. Sechs von ihnen sind in der Ausbildung, einer ist arbeitslos. Strafrechtlich fielen die jungen Männer mit Ausnahme einer Anzeige wegen Körperverletzung bisher nicht auf.

Ob die Tat in einem Zusammenhang mit dem zehnten Jahrestag des Anschlags in der schleswigholsteinischen Kleinstadt Mölln steht, war zunächst unklar. Damals wurden drei Türkinnen von Rechtsextremen getötet.

Nach den bisherigen Ermittlungen sollen die sieben Männer am Freitagabend zusammen getrunken und sich dabei gegenseitig „aufgeschaukelt“ haben. Dann gingen sie in eine Garage und mixten Brandsätze aus Benzin, Scheibenreiniger und anderen brennbaren Stoffen. Anschließend zogen sie dreimal zu dem türkischen Wohn- und Geschäftshaus, in dem sich neben der Moschee auch ein Lebensmittelgeschäft und die Wohnung des Vorbeters der türkischen Gemeinde befinden.

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