Politik : Anschlagsopfer von Madrid werfen Aznar Versagen vor

Ralph Schulze

Madrid - Es war wohl der bewegendste Moment im Terror-Untersuchungsausschuss des spanischen Parlaments: Mit Tränen im Gesicht, zitternder Stimme und vom seelischen Schmerz gekrümmtem Körper tritt Pilar Manjon vor die Abgeordnetenkommission. Jenes Gremium, dass seit einem halben Jahr versucht herauszufinden, warum der Terroranschlag vom 11. März in Madrid, bei dem 191 Menschen starben und mehr als 1500 verletzt wurden, Spanien so unvorbereitet traf. Die 46-jährige Pilar, die in dem Bombeninferno auf vier Vorortzüge einen 20-jährigen Sohn verlor, ist die Sprecherin der Terroropfer.

„Mein Leben ist zerstört“, sagt die Mutter zweier Söhne und wird mit ihrer aufrüttelnden Rede über Nacht zur Heldin der Nation. Zum Gewissen des Volkes, in dessen Augen sich der Terror-Untersuchungsausschuss in eine unerträgliche politische Schlammschlacht verwandelt hat. „Wir wollen die Wahrheit, Gerechtigkeit und moralische Wiedergutmachung“, sagt Pilar weinend vor den Abgeordneten des Ausschusses. Und: „Ich bin die Stimme der Abwesenden“ – der 191 Toten. Die Opfer seien im Streit um politische Verantwortlichkeiten als Waffe missbraucht worden, klagt sie und weint.

In der Diskussion um das Blutbad vom 11. März flüchten sich der frühere Regierungschef Jose Maria Aznar und seine Konservativen bis heute in Unwahrheiten und bringen immer wieder die baskische Terrororganisation Eta als angeblichen Strippenzieher ins Spiel. Diese Taktik brachte Aznar von seinem Nachfolger Jose Luis Zapatero den Vorwurf ein, das Volk massiv, systematisch und aus Wahlkalkül heraus belogen zu haben. Zapatero will zum Jahrestag der Anschläge einen Anti-Terror-Gipfel mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt einberufen.

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