Anschlagspläne : Terrorgefahr von Bundesanwaltschaft aufgebauscht?

Gegen die sechs arabischstämmigen Männer, die einen Anschlag auf den Flughafen Frankfurt geplant haben sollen, haben sich offenbar keine ernsthaften Verdachtsmomente ergeben. Der Fall lag zudem längst bei den Akten.

München - Die Ermittler hätten den Fall wegen Nichtigkeit längst zu den Akten gelegt, als die Bundesanwaltschaft am Montag bekannt gegeben habe, sie ermittle gegen eine Gruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet, die einen Terroranschlag auf ein Verkehrsflugzeug vorbereitet habe. Auch Hintermänner der Tat, von denen die Bundesanwaltschaft gesprochen hatte, gebe es nach Angaben aus Sicherheitskreisen nicht, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt hätten sich am 23. Oktober nach monatelangen ergebnislosen Ermittlungen entschlossen, doch noch die Wohnungen der sechs Verdächtigen zu durchsuchen. Vier Monate lang schon hätten sich die Fahnder um mehr Einblicke bemüht, auch per Telefonüberwachung. Die Ermittler befürchteten, dass sie eine Verlängerung der Telefonüberwachung nicht mehr genehmigt bekommen würden.

Ermittler fanden nichts

Der Verdacht gegen die Gruppe hatte sich im Rahmen der Untersuchungen aber nicht verdichtet, obwohl der Hinweisgeber, der den Verdacht ausgelöst hatte, laut Sicherheitsexperten als ernst zu nehmen gilt. Auch die Durchsuchungen am vergangenen Freitag führten zu keinem Ergebnis. Es wurden weder Sprengstoff noch andere gefährliche Gegenstände gefunden. Ein Sicherheitsverantwortlicher in Berlin sagte der "SZ", das Vorgehen der Bundesanwaltschaft schüre "Hysterie". Man müsse "jeden Anflug von Alarmismus vermeiden".

Ein Sprecher von Generalbundesanwältin Monika Harms sagte dem Blatt dagegen, sein Haus habe sich "vollständig korrekt" verhalten. "Wir haben niemals Panik geschürt und von Anfang an gesagt, dass der Anschlag nicht einmal in die Nähe der Umsetzung gelangt war". Es sei auch ein Zeichen der neuen Offenheit in der Bundesanwaltschaft, dass über Fahndungen berichtet werde. Von Alarmismus könne keine Rede sein, wehrte der Sprecher die Vorwürfe ab.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Montag erklärt, die Gruppe sei an einen Flughafen-Mitarbeiter herangetreten, damit er gegen Geld Sprengstoff an Bord eines Flugzeuges schmuggle. Man sei aber nicht handelseinig geworden. Nun werde gegen die sechs Verdächtigen wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ermittelt - die aber gebe es womöglich gar nicht, schreibt das Blatt. (tso/ddp/AFP)

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