Anschlagsserie : Wieder Briefbomben-Alarm in Rom

Vor der griechischen Botschaft in Rom wurde gestern ein Sprengsatz entschärft. Den Verletzten der früheren Anschläge bleiben Handamputationen erspart.

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Nach der schweizerischen und der chilenischen Botschaft haben nun auch die griechischen Diplomaten in Rom eine Briefbombe in ihrer Weihnachtspost gefunden. Sie war von gleicher Machart wie die ersten beiden und wurde am Montag rechtzeitig von Spezialisten der Polizei entschärft. Die anderen beiden Briefbomben waren am Tag vor Heiligabend explodiert; dabei wurde je ein Angehöriger der chilenischen und der schweizerischen Botschaft an den Händen verletzt.

Zu den Anschlägen hat sich die „Informelle Anarchisten-Föderation“ bekannt, die in Italien während der vergangenen zehn Jahre etwa dreißig Terrorakte dieser Art begangen hat. Zu den bekannteren Anschlagszielen zählten 2004 der damalige Präsident der EU–Kommission, Romano Prodi, danach der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, Hans-Georg Pöttering. Mehrere Paket- und Briefbomben gingen an diverse Einrichtungen der italienischen Polizei; es gibt Hinweise darauf, dass die Behörden nicht alle bekannt gegeben haben.

Bereits bei den bisher letzten Anschlägen – im Dezember 2009 auf die Mailänder Wirtschafts-Uni Bocconi und ein Ausländerzentrum in Gradisca – hatten die Urheber in ihrem Bekennerschreiben angekündigt, sie wollten „auf die Globalisierung der Macht mit einer Internationalisierung der Aufstandskampagnen“ antworten und dafür auch „Botschaften und Konsulate“ ins Visier nehmen.

Die „Zelle“, die nun die drei Briefbomben in Rom verschickt hat, benennt sich nach dem griechischen Anarchisten Lambros Fountas, der vor neun Monaten in Straßenschlachten mit der griechischen Polizei ums Leben gekommen ist. Mit ihrer „Internationalisierung“ wollen sich die italienischen Anarchisten – laut ihren Bekennerschreiben – auch „an jenem internationalen Kampf gegen die Repression, die Gefängnisse, die Ausländer-Internierungszentren und gegen das Kapital beteiligen, der von einigen eingekerkerten Revolutionären vorgeschlagen worden ist“. Dieser Satz gilt als Anspielung auf vier italienische Anarchisten, die in der Schweiz inhaftiert sind, weil sie Anschläge geplant oder bereits vorgenommen haben sollen.

Insgesamt vermuten die Ermittler, dass das gewalttätige italienische Anarchistennetz aus einigen Dutzend, maximal aber 150 Personen besteht; konkrete Anführer gebe es nicht, heißt es; die einzelnen „Zellen“ in ihren wechselnden Benennungen agierten unabhängig und wohl nicht in Abstimmung mit anderen.

Der Angestellte der Schweizer Botschaft, der bei der Explosion am Tag vor Heiligabend schwer an den Händen verletzt worden ist, hat das Schlimmste offenbar überstanden. Nach der sofortigen Operation, so eine Sprecherin der Botschaft am Montag, müsse sich erst erweisen, wann und inwieweit er seine Hände wieder werde benutzen können; eine Amputation indes sei nicht notwendig gewesen.

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