Anschuldigung : US-Zeugen: Präsident Irans war Geiselnehmer

Knapp eine Woche nach der Wahl von Mahmud Ahmadinedschad zum neuen iranischen Präsidenten gibt es Hinweise darauf, dass der ultrakonservative Politiker 1979 an der Besetzung der US-Botschaft in Teheran beteiligt war.

Washington/Berlin (30.06.2005, 20:51 Uhr) - Die Berliner Tageszeitung "B.Z." berichtet in ihrer Freitagsausgabe, westliche Geheimdienste hätten Ahmadinedschad als Besetzer identifiziert. Auch fünf amerikanische Ex-Geiseln erklärten, sie hätten ihn auf Fernsehbildern erkannt und seien davon überzeugt, dass Ahmadinedschad zu den Geiselnehmern gehörte.

Während die Berichte in Teheran dementiert wurden, sagte in Washington US-Außenamtssprecher Sean McCormack, die Angaben würden ernst genommen und geprüft. «Wir sind dabei alle Fakten zusammenzustellen...und ich versichere Ihnen, dass wir dieser Frage mit Ernst nachgehen», sagte der Sprecher vor Journalisten. «Wir haben die Tatsache nicht vergessen, dass 51 unserer Diplomaten 444 Tage lang festgehalten, dass sie als Geiseln genommen wurden.»

Der «B.Z.» zufolge steht in einem Dossier, das der Bundesregierung vorliege, auf Seite eins über Ahmadinedschad: «Teilnahme an der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979.» Seit 1986 sei der neue Präsident als Mitglied der «Sonderbrigade der Pasdaran» auch bei Auslandsoperationen, etwa im Raum Kirkuk im Irak tätig gewesen, zitierte die «B.Z.» weiter.

In Teheran erklärte Mohsen Mirdamadi, einer der an der Botschaftsbesetzung beteiligten Studenten, der dpa, Ahmadinedschad habe nicht zu den Geiselnehmern gehört. US-Medien zitierten ihrerseits eine der Exgeiseln mit den Worten, Ahmadinedschad habe sogar eine führende Rolle bei der Besetzung der Botschaft gespielt und eine härtere Behandlung der Amerikaner gefordert. Insgesamt hätten vier der einstigen Geiseln Ahmadinedschad sofort unabhängig voneinander identifiziert und E-Mails ausgetauscht. Ein fünfter Amerikaner habe sich ihrer Auffassung nach dem Studium von Zeitungsbildern angeschlossen.

«Sofort, als ich sein Foto in der Zeitung gesehen habe, wusste ich, dass es der Bastard war», zitierte die «Washington Times» den pensionierten Obersten Charles Scott. «Er war einer der zwei oder drei Anführer.» Eine andere Exgeisel sagte: «Ich weiß, dass er Verhöre durchführte.» (tso)

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