Politik : Ansturm auf die Unis wie noch nie

Kultusminister völlig überrascht von neuen Zahlen / Rektoren: Zu wenig Professoren, zu wenig Geld

Uwe Schlicht

Berlin - Deutschlands Universitäten stehen vor einem Ansturm von Studenten. Bis 2020 drängen nach Berechnungen des Tagesspiegels auf der Basis der neuesten Zahlen der Kultusministerkonferenz mehr Studenten an die Hochschulen als je zuvor. Für 2012 bis 2020 werden jährlich 450000 Studienanfänger erwartet. Insgesamt sollen dann 2,7 Millionen Studenten an den Hochschulen eingeschrieben sein. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 gab es 368000 Studienanfänger und 1,9 Millionen Studenten. Zwischen 2010 und 2014 sind wegen der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre doppelte Jahrgänge von Schulabsolventen zu erwarten. Bisher waren die Kultusminister davon ausgegangen, dass die Zahl der Studenten vom Jahr 2012 an zurückgehen werde.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaehtgens, fordert deshalb von den Politikern in Bund und Ländern 1,5 bis zwei Milliarden Euro pro Jahr mehr, um die Studienanfänger besser betreuen zu können. Er wies zudem darauf hin, dass auch wegen der verkürzten Schulzeit immer mehr Studienanfänger an der Universität erst „hochschultauglich“ gemacht werden müssten. Die Kultusministerkonferenz hatte bei der Bekanntgabe ihrer neuen Hochrechnung lediglich gefordert, dass die Kapazitäten an die neuen Herausforderungen angepasst werden müssten. Die Studienzeiten seien durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge zu verkürzen, die Beratung der Studenten müsse verbessert werden. Gaehtgens kommentiert dieses Programm so: „Die Erklärung der Kultusministerkonferenz ist völlig unzureichend. In der Realität werden heute Professorenstellen eher gestrichen als neue geschaffen. Wenn die Studentenzahlen steigen, werden alle Universitäten zum flächendeckenden Numerus clausus gezwungen sein, wenn nicht gegengesteuert wird.“

Gaehtgens erinnerte an die schlechten Erfahrungen aus den 70er und 80er Jahren, als der damalige „Studentenberg“ von den Politikern unterschätzt und nie angemessen finanziert wurde.

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