Politik : Ansturm der Besucher - Beirut will UN-Entscheidung zur Grenzziehung mit Israel akzeptieren

Birgit Bogler

Per Dekret erklärte Selim Al Hoss, Libanons Premierminister, den 25. Mai zum nationalen Feiertag. Banken, öffentliche Einrichtungen und die meisten Geschäfte blieben daher am Donnerstag geschlossen - eine Atempause für die zunehmend geplagten Einwohner der bis vor zwei Tagen noch von Israel besetzten Gebiete in Südlibanon, die dem Ansturm der Besucher aus Beirut kaum noch gewachsen sind. Doch schon gestern schoben sich erneut Tausende Fahrzeuge gen Süden, vielfach Libanesen, die ihre Dörfer seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatten, aber auch Anhänger von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, der in Bint Jbeil zur Kundgebung rief.

Im Gegensatz zum Vortag bemühte sich die libanesische Armee zumindest ansatzweise hier und da im Gebiet von Marjayoun Präsenz zu zeigen: Das bisherige Hauptquartier von SLA und Israelis ist seither in den Händen des libanesischen Staates. Während die Soldaten schon mal fürs Foto-Souvenir posieren oder Karten spielen, herrscht bei Kfar Tibnit, dem früheren Übergang zur "Sicherheitszone", Basarstimmung: Schreibtische, Stühle, Schlafsäcke, aber auch Munitionskisten oder Uniformjacken mit dem "Tsahal"-Emblem liegen auf der Straße.

Die Provinzhauptstadt Marjayoun wirkt ruhig, nachdem es in einigen christlichen Dörfern der Region zuvor vereinzelt Übergriffe "bewaffneter Elemente" gegeben hatte: Einige Häuser und Fahrzeuge von Ex-SLA-Mitgliedern waren, wie auch die Villa von SLA-Chef Antoine Lahd, geplündert worden. Neben der allgegenwärtigen Hisbollah regeln seither vor allem häufig bewaffnete Milizionäre der die Vereinigung des Libanon mit Syrien postulierenden PSNS (Parti National Syrien Socialiste) den Verkehr, und postieren sich als "Sicherheitsmaßnahme" vor Gebäuden. Unterdessen erklärte Syriens Außenminister Farouq Esch Schara bei einer Konfererenz von EU-Vertretern in Lissabon, sein Land werde alles tun, um die Sicherheit der Region zu garantieren und eine Eskalation zu vermeiden. In der Drusenhochburg Hasbaya am Fuße des Hermon-Gebirges übernehmen derweil ebenfalls bewaffnete Mitglieder der PSP (Parti Socialiste Progressiste) des Drusenführers Walid Jumblatt diese "Aufgabe". Die Offiziellen aus Beirut begnügen sich zur Stunde noch mit Stippvisiten. Selim Al Hoss besuchte am Donnerstag das Gefängnis von Khiam, ließ sich Folter- und Gefangenenzellen zeigen. Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schebaa, das die Israelis 1967 von den Syrern eroberten. Nach Beiruter Lesart gehört dieses Gebiet zu Libanon und Hisbollah-Chef Nasrallah bekräftigte, er sei auch bereit, seine Leute in den nächsten Tagen zurückzuziehen. Die libanesische Regierung sicherte am Freitag der UN zu, ihre Entscheidung zum Grenzverlauf zu akzeptieren.Mehr zum Thema im Internet

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