Antalya : Türkische Schwarzbrenner vor Gericht

Nach dem Tod von drei Lübecker Realschülern durch Methanolvergiftung im vergangenen März bei Antalya, beginnt am Dienstag der Prozess gegen die Getränkegroßhändler.

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Sind junge deutsche Urlauber in der Türkei zum Opfer rücksichtsloser Geschäftsmacher geworden, die Menschenleben aufs Spiel setzen, um mit lebensgefährlichen Produkten einen hohen Gewinn zu erzielen? Davon geht die Staatsanwaltschaft im südtürkischen Antalya in einem Prozess gegen die Getränkegroßhändler Cengiz und Halil E. aus, der an diesem Dienstag beginnt. Die Brüder sollen giftigen Schwarzalkohol in Umlauf gesetzt und im vergangenen März den Tod von drei Lübecker Realschülern in einem Hotel in Kemer bei Antalya verschuldet haben.

Als die Schüler im März vergangenen Jahres im “Anatolia Bach Hotel” ankamen, stand für einige von ihnen fest, was sie während des Ausflugs unternehmen wollten: Saufen bis zum Umfallen. So bunt trieben sie es, dass ihr Lehrer bald ein Alkoholverbot verhängte. Doch die jungen Männer beschafften sich trotzdem in dem Hotel einige Flaschen Wodka und tranken auf einem Zimmer weiter. Das wurde drei von ihnen zum Verhängnis - sie starben an einer Vergiftung durch Methanol, das häufig in illegalem Schnaps zu finden ist. Vier weitere überlebten trotz schwerer Vergiftungen.

Alkohol ist teuer in der Türkei, vor allem wegen saftiger Steuern, die nach Ansicht einiger Beobachter von der islamisch-konservativen Regierung in Ankara aus religiösen Gründen auf hohem Niveau gehalten werden. Einige Hotels suchen angesichts des ständig wachsenden Preisdrucks in der Tourismusbranche und der vielen trinkfreudigen Gäste aus Europa nach nicht ganz legalen Alternativen. Für schwarz gebrannten Alkohol werden keine Steuern fällig - doch das Risiko ist groß.

Das “Anatolia Beach Hotel” sieht die Schuld bei anderen. Der Anwalt des „Anatolia“ betont, der Alkohol-Einkauf sei nach Vorschrift vor sich gegangen. In erster Linie seien die Hersteller des Fusels und in zweiter Linie die Großhändler verantwortlich, sagte Anwalt Hakan Evcin. Erst in dritter Linie trage auch das Hotel eine Mitverantwortung. Schließlich seien auch die Flaschen mit dem gepanschten Alkohol mit Banderolen der Steuerbehörden versehen gewesen. Die Banderolen waren freilich auch gefälscht.

Als Alkohol-Lieferanten des Hotels waren die Brüder E. schon bald die Hauptverdächtigen, doch sie tauchten ab. Gegen Cengiz E. ermittelte bereits vor drei Jahren eine Staatsanwaltschaft an der türkischen Ägäisküste - ebenfalls wegen des Verdachts der Alkohol-Panscherei.

Nun wurde der Betrieb der Brüder in Antalya von den Behörden geschlossen. Mehrere tausend leere Alkoholflaschen Etiketten und Verschlüssen wurden dort bereits früher gefunden - offenbar standen sie bereit, um mit schwarz gebranntem Schnaps gefüllt und anschließend verkauft zu werden.

Die Razzia der Behörden blieb zunächst folgenlos. Innerhalb weniger Tage lieferte die Familie E. wieder ihre zweifelhafte Ware: Die Brüder hatten die Geschäftsführung einfach an ihre Ehefrauen überschrieben und die Firma wieder aufgemacht. Erst Ende April wurden die Brüder nach einem Feuergefecht mit der Polizei gestellt und in Untersuchungshaft gesteckt. Vor Gericht müssen sie mit bis zu 20 Jahren Haft wegen Totschlags rechnen; insgesamt stehen 13 Angeklagte vor Gericht, darunter auch die Frauen der Brüder und der Chefeinkäufer des Hotels.

Selbst wenn die Familie E. nun bald für lange Zeit hinter Gittern verschwindet, offenbart der Fall das nach wie vor ungelöste Problem der Türkei mit ihre hartgesottenen Schwarzbrennern. Und die Brüder E. sind bei weitem nicht die einzigen Anbieter auf dem Schwarzmark für Alkohol. Erst vor kurzem wurden erneut mehrere tausend Flaschen mit gepanschtem Schnaps beschlagnahmt - nach Presseberichten waren Teile davon für Luxushotels in Istanbul und in Antalya bestimmt.

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