Politik : Anti-Doping-Agentur: Bund und der DSB wollen Aufklärung und Prävention stärken

Claudia Lepping

Die Bundesregierung und der Deutsche Sportbund (DSB) wollen bei der Bekämpfung des Dopings neue Wege gehen. Eine Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) soll von Mitte 2001 an Dopingproben auch bei Wettkämpfen koordinieren und sich verstärkt um Aufklärung und Prävention bemühen. Die Nada, die in Form einer Stiftung aus der Taufe gehoben werden soll, wird die Anti-Doping-Kommission ersetzen, die seit 1990 unter der Regie des DSB im Einsatz ist. DSB-Präsident Manfred von Richthofen betonte am Donnerstag: "Wir wollen eine von der Sportorganisation und vom Staat unabhängige Einrichtung, um das Dopingproblem in den Griff zu bekommen."

Die Beteiligung der nationalen Sportfachverbände an der Stiftung wird freiwillig sein. Die meisten Verbände müssten also guten Willen zeigen und auf einige Kompetenzen verzichten. Die Stiftung rechnet zum Start mit einem Grundkapital von etwa 60 Millionen Mark. Die Gelder, die das Innenministerium und der DSB ohnehin zur Dopingbekämpfung bereitstellen, sollen nun dort konzentriert werden. Nach Angaben Schilys wird der Bund mit 2,2 Millionen Mark dabei sein. Der Minister rechnet darüber hinaus damit, dass die deutsche Wirtschaft "mit ihrem eigenen Interesse an einem sauberen Sport" erhebliche Beträge beisteuern wird. Zusagen gibt es jedoch noch nicht. Wie wirksam die Anti-Doping-Agentur letztlich arbeiten wird, hängt demnach wesentlich von der Finanzierung ab. "Wir wagen den Beginn, selbst wenn die Aufgaben der Agentur durch fehlende Mittel zunächst eingeschränkt würden", so von Richthofen.

Die Agentur richtet sich zudem mit dem Angebot einer Sportgerichtsbarkeit an die Verbände. Athleten und Funktionäre können dort um juristischen Rat nachsuchen und Empfehlungen einholen. Sanktionen darf dieses Gremium jedoch nicht aussprechen. Auf diesem Wege sollen die zum Teil jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen nach der Verhängung von Dopingsperren verkürzt werden. Es habe sich gezeigt, dass die jetzigen Strukturen nicht geeignet waren, Doping tatsächlich zu ahnden. Vielmehr hätten fehlende Unabhängigkeit, Überlastung und ein Wirrwarr von Zuständigkeiten die Verfahren behindert. "Wir wollen schnell und nach rechtstaatlichen Vorgaben handeln", sagt Ulrich Haas, designierter Vorsitzender der Agentur. "Aber auch die Akzeptanz dieser Sportgerichtsbarkeit ist freiwillig."

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben