Politik : Anti-Korruptions-Organisation Transparency International stellt Studie vor

Das deutsche Gesundheitssystem ist mit den vorhandenen Mitteln künftig nur finanzierbar, wenn Verschwendung und Betrug abgestellt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die deutsche Sektion der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) am Donnerstag in München vorstellte. Fehlende Transparenz sei die Hauptursache dafür, dass sich einzelne Gruppen missbräuchlich und systematisch Vorteile zu Lasten aller beschaffen könnten. Daran seien Patienten, Ärzte und Apotheker ebenso beteiligt wie Krankenkassen und die Pharmaindustrie, betonte die Geschäftsführerin von TI Deutschland und Autorin der Studie, Anke Martiny. Die Hauptlast trügen jedoch die Patienten als Beitragszahler, die aber am wenigsten das System ändern könnten.

Für die Studie sind in den vergangenen zwei Jahren rund 20 Experten aus dem Gesundheitswesen angehört worden. Missbrauchsmöglichkeiten im Gesundheitssystem werden gesammelt dargestellt und zugleich Vorschläge aufgelistet, diese einzudämmen. So erwiesen sich beispielsweise Ärzte oft aus Sorge, ihre Patienten zu verlieren, als deren willfährige Partner. Sie verschrieben auf Wunsch zu viele und oft unwirksame Medikamente, schrieben ungerechtfertigt krank und trügen dazu bei, dem Patienten eine Kur zu erschleichen. Es seien auch Fälle bekannt, in denen der Krankenversicherte seine Chipkarte angeblich verliere, diese tatsächlich aber zu einem "horrenden Preis" an Personen verkaufe, die keine hätten. Manche Patienten ließen sich in der Apotheke statt des verordneten teuren Medikaments auch Geld auszahlen.

Bei den Ärzten kritisiert TI unter anderem, dass manche Leistungen verschrieben, die sie nicht oder die ihre nachgeordneten Kollegen erbracht hätten. Eine Gefahr bilde auch, dass sie durch Geschenke der Pharmaindustrie in eine "schwer zu kontrollierende Abhängigkeit" gerieten. Außerdem ermögliche das geltende Abrechnungssystem, dass bei einer Behandlung durch mehrere Ärzte immer wieder dieselben Untersuchungen vorgenommen würden.

In der Studie empfiehlt die TI, dass der Patient ein Kostenbewusstsein entwickle, indem er vom Arzt eine Rechnung erhält, die er auch verstehen kann. Dabei könnte er auch kontrollieren, ob alle aufgeführten Behandlungselemente tatsächlich eingesetzt worden seien. Vom Gesetzgeber fordert die Organisation wirkungsvolle Sanktionen gegen die Vorteilsnahme zwischen Ärzten und der Pharmaindustrie. Dies betreffe die Abgabe von Ärztemustern, gesponserte Fortbildungen und Kongresse. Außerdem müsse beim Zulassungsverfahrens eines Arzneimittels Transparenz hergestellt werden.

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