Anti-Kosovo-Demonstration : Ein Toter nach Angriff auf US-Botschaft

Serbische Nationalisten haben die US-Botschaft in Belgrad in Brand gesteckt. Das Erdgeschoss der Botschaft und ein Nebengebäude standen zeitweise in Flammen. Tausende von Randalierern zogen durch die Innenstadt. Auch an der deutschen Botschaft gibt es Schäden. Bisher ist mindestens ein Todesopfer bekannt.

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Serbische Nationalisten haben die US-Botschaft in Belgrad in Brand gesteckt - dabei kam ein Mensch ums Leben. Tausende von...Foto: AFP

Am Rande der Großdemonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovo ist es am Donnerstagabend in der serbischen Hauptstadt Belgrad zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mindestens ein Mensch kam dabei ums Leben. Eine Sprecherin der US-Botschaft bestätigte, dass aus dem in Brand gesteckten Gebäude eine Leiche geborgen worden sei. Dabei handele es sich nicht um einen US-Botschaftsangehörigen. Der UN-Sicherheitsrat, die USA und EU-Außenbeauftragter Javier Solana verurteilten die Ausschreitungen auf Schärfste.


Nach einer Kundgebung von rund 150.000 Menschen am Nachmittag attackierten jugendliche Randalierer die Botschaft der USA, demolierten die kroatische Vertretung und beschädigten die Gebäude der Botschaften Deutschlands, Großbritanniens und der Türkei. Aus der US-Botschaft schlugen Flammen, auch die Wachhäuschen vor dem Gebäude wurden in Brand gesteckt. Demonstranten versuchten, durch die vergitterten Fenster ins Innere der Vertretung zu gelangen, doch die Polizei vertrieb sie mit Tränengas. Bei den Ausschreitungen wurden etwa 100 Menschen verletzt. Mehr als 30 davon Polizisten. Mehrere Randalierer wurden festgenommen. Die Feuerwehr brachte den Brand in der US-Botschaft anschließend rasch unter Kontrolle.


Sicherheitsrat verurteilt Angriffe



 Der UN-Sicherheitsrat verlangte von der serbischen Regierung wirkungsvolle Maßnahmen, um ausländische Diplomaten zu schützen. "Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates verurteilen auf das Schärfste die Angriffe, die von Menschenmengen gegen Botschaften in Belgrad verübt wurden, die Schaden an den Gebäuden anrichteten und das diplomatische Personal in Gefahr brachten", sagte der amtierende Ratsvorsitzende, der panamaische Botschafter Ricardo Alberto Arias. Er erinnerte an "das Grundprinzip der Unverletzlichkeit diplomatischer Vertretungen und die Verpflichtung der Gastgeberländer", diese zu beschützen.

Auch das US-Außenamt protestiert heftig gegen die Ausschreitungen in der serbischen Hauptstadt. Es sei "unerträglich", dass die Demonstranten die US-Botschaft in der serbischen Hauptstadt attackieren und in Brand setzen konnten, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack am Donnerstagabend in Washington. Die Nummer Drei des Außenministeriums, Nicholas Burns, habe noch am Abend mit dem serbischen Regierungschef Vojislav Kostunica und Außenminister Vuk Jeremic telefoniert. Dabei habe er gegen die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen durch die serbische Polizei protestiert.

Solanas Sprecherin Cristina Gallach bezeichnete die Gewalttaten am Donnerstagabend in Brüssel als "völlig unannehmbar" und rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Solana war am Mittwoch als erster ausländischer Amtsträger in das Kosovo gereist, das am Sonntag seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hatte. Belgrad lehnt die Abspaltung seiner südlichen Provinz ab, die bereits von den USA und mehreren europäischen Staaten, darunter Deutschland, anerkannt wurde.

Massenprotest in Belgrad

Am Donnerstagnachmittag hatten 150.000 Menschen aus ganz Serbien in Belgrad gegen die Unabhängigkeit protestiert. Nach der Massenkundgebung vor dem Parlament in Belgrad waren gewalttätige Demonstranten in das Diplomatenviertel gezogen. Dort drangen sie in die US-Botschaft ein und setzten das Gebäude teilweise in Brand. Das Erdgeschoss der Botschaft und ein Nebengebäude standen in Flammen, der Brand konnte später gelöscht werden. Augenzeugen sprachen von mehreren hundert jugendlichen, vielfach betrunkenen Demonstranten. Bei vielen Randalierern habe es sich um Hooligans gehandelt. Die Randalierer steckten auch das Wachhäuschen der deutschen Botschaft in Brand. Serbiens Präsident Boris Tadic rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Die Serben im benachbarten Bosnien-Herzegowina verabschiedeten eine Resolution, in der sie ihrerseits mit der Abspaltung von Bosnien drohen.

An der deutschen Vertretung gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch. Beamte der Bundespolizei, die das Gebäude bewachen, mussten selbst in Sicherheit gebracht werden. Die Randalierer zogen sich erst zurück, als die Polizei an dem Gebäude eintraf.

Kriegsveteranen blockieren Grenzübergang

In Mitrovica im Norden des Kosovos demonstrierten am Donnerstag ebenfalls mehrere tausend Serben. Hunderte serbischer Kriegsveteranen blockierten eine Zeit lang den Grenzübergang Merdare zwischen Serbien und dem Kosovo.

"Ich verspreche Gott, dass wir keine Ruhe geben, bis das Kosovo wieder unter serbischer Kontrolle ist", versprach der Ultranationalist Tomislav Nikolic. "Nicht einmal Hitler konnte uns das Kosovo nehmen und das können die heute auch nicht", sagte der Oppositionsführer, der vom "größten Protest" sprach, "den Serbien je gesehen hat". Staatspräsident Boris Tadic war kurzfristig nach Rumänien gereist, um nicht mit Nikolic auftreten und den extremen Nationalisten damit politisch salonfähig machen zu müssen. (smz/dpa/AFP)  

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