Anti-Kosovo-Protest : Deutsche Regierung verurteilt Gewalt in Belgrad

Nach den Attacken serbischer Kosovo-Gegner gegen ausländische Botschaften hat die Bundesregierung gegen die Vorfälle protestiert. Auch der serbische Präsident Tadic verurteilte die "Verwüstungen" und berief einen nationalen Sicherheitsrat ein.

Belgrad
Nach dem Sturm. Serbische Polizeikräfte sichern die Botschaften in Belgrad. -Foto: dpa

Berlin Nach den schweren Attacken gegen ausländische Botschaften in Belgrad haben Spezialeinheiten der Polizei vor einigen diplomatischen Vertretungen Stellung bezogen. Bei den mehrstündigen Krawallen durch tausende Jugendliche in der serbischen Hauptstadt waren am Donnerstagabend mehrere Botschaften angegriffen und in Brand gesetzt worden. Ein Mensch kam ums Leben, mindestens 150 Menschen wurden verletzt, darunter 35 Polizisten und einige Journalisten. Auch ein deutscher Sicherheitsbeamter wurde nach Angaben der Bundesregierung leicht verletzt.

An dem Gebäude der deutschen Botschaft sei bei den Krawallen erheblicher Sachschaden entstanden, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Die Bundesregierung verurteile die gewaltsamen Ausschreitungen gegen eine Vielzahl von Botschaften aufs Schärfste. Das Auswärtige Amt bestellte am Vormittag in Berlin die serbische Geschäftsträgerin ein, um gegen die Vorfälle zu protestieren. Der serbische Botschafter war am Donnerstag aus Protest gegen die Anerkennung des Kosovos durch Deutschland zurückgerufen worden.

Steg: Serbien muss Sicherheit garantieren

"Für die Ausschreitungen gibt es in der Bundesregierung kein Verständnis und wir verurteilen dies ganz entschieden", sagte Steg. Die serbische Regierung müsse für die Sicherheit und den Schutz der Botschaften und des diplomatischen Personals auch mit ausreichender Polizeipräsenz sorgen, forderte Steg. Notwendig seien aber auch verantwortungsvolle Äußerungen der serbischen Regierung und eine klare und unmissverständliche Verurteilung von Gewalt, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Sollten sich derartige Vorfälle wiederholen, werde dies Konsequenzen für die Beziehungen zwischen der EU und Serbien haben.

Der serbische Präsident Boris Tadic hat unterdessen eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen. Anlass sind die . Tadic verurteilte die "Verwüstungen" in der Hauptstadt Belgrad auf das Schärfste. Für solche Gewalt gebe es keine Rechtfertigung und "niemand darf dies rechtfertigen". Dies wurde von Beobachtern als Anspielung auf die zuvor veröffentlichte Stellungnahme von Regierungschef Vojislav Kostunica interpretiert, der die "Jugend Serbiens" gelobt hatte, die mit ihrer Teilnahme an der Massenkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovos gezeigt habe, dass sie für "Recht, Gerechtigkeit und Freiheit" ist. "Dies war nicht Serbien und Serbien wird niemals so sein", so Tadic.

Nach Angaben von Außenamtssprecher Martin Jäger hatten Demonstranten am Donnerstag versucht, gewaltsam die Tür zum deutschen Botschaftsgebäude aufzubrechen. Dies sei aber nicht gelungen. Vor der Botschaft sei ein Unterstand für das Wachpersonal der serbischen Polizei in Brand gesetzt worden. "Diese Dinge kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte Jäger. "Wir gehen davon aus, dass die serbische Polizei jetzt für die Sicherheit der Botschaft geradesteht." Die Botschaft sei am heutigen Freitag für Publikumsverkehr geschlossen. Allerdings habe sich die Lage in Belgrad normalisiert.

Verkohlte Leiche in US-Botschaft

Auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und EU-Chefdiplomat Javier Solana verurteilten die Ausschreitungen. Am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister im slowenischen Brdo sagte Solana: "Solche Akte der Gewalt führen nirgendwo hin." Die serbische Führung habe die Pflicht, Botschaften zu schützen. Jung kritisierte die serbischen Sicherheitskräfte: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Polizei da schneller eingegriffen hätte." Auch der UN-Sicherheitsrat in New York hatte die Angriffe scharf verurteilt. Die serbische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu der Gewaltwelle.

Im Inneren der US-Vertretung war am Donnerstagabend eine verkohlte Leiche entdeckt worden. Dabei handele es sich vermutlich um einen Demonstranten, der in die Botschaftsräume eingedrungen war, berichten Belgrader Medien. Bei den Krawallen wurden auch die deutsche, kroatische, türkische und britische Botschaft beschädigt. (mpr/küs/dpa)

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