Anti-Nato-Proteste : Militante Protestler stecken Häuser in Brand

Nach den friedlichen Demonstrationen am frühen Morgen eskaliert die Lage in Straßburg zusehends: Der "Schwarze Block" sorgt für Krawall, es fliegen Steine und Brandbomben.

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Feuerwehrleute löschen ein Hotel in Straßburg, das Demonstranten angezündet haben. -Foto: dpa

Schwere Krawalle in Straßburg haben den Abschluss des Nato-Jubiläumsgipfels überschattet. Schwarze Rauchschwaden umwehen den Tagungsort, mehrere Gebäude der Stadt stehen in Flammen.

Grund sind die Ausschreitungen zwischen zumeist schwarz vermummten Demonstranten und den Sicherheitskräften. Der sogenannte "Schwarze Block" hatte Brandbomben auf unterschiedliche Gebäude geworfen, darunter auf einen Supermarkt, ein Touristenbüro und ein altes Zollhaus nahe der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg.

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1 von 18Foto: Getty Images
29.07.2009 08:29Bereits einen Tag vor Beginn des Nato-Gipfels, am 2. April 2009, kommt es in Straßburg zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten...



Von den Brandstiftungen besonders betroffen ist ein fünfstockiges Hotel, das vollständig ausgebrannt ist. Für die Polizei ist es kein Zufall, dass sich die Protestler dieses Hotel ausgesucht haben. "Die dachten, dass hier Polizisten untergebracht sind", sagte ein französischer Beamter. Ob sich noch Menschen in den Gebäuden befunden hatten, war zunächst nicht bekannt. Auch zu möglichen Verletzten gab es keine Angaben. Offenbar war das Hotel zuvor aus Sicherheitsgründen geräumt worden.

Inzwischen scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben, die Randalierer haben sich vom Rheinufer in Richtung Innenstadt zurückgezogen. Bei einigen von ihnen fand die Polizei Schusswaffen sichergestellt. Die scharfen Waffen seien am Nachmittag bei Randalierern entdeckt worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus französischen Sicherheitskreisen.

Wegen der Krawalle musste eine zentrale Demonstration mit rund 6000 Friedensaktivisten gestoppt werden. Zudem verhandelte die Polizei mit den Veranstaltern über eine Änderung der Route. Die Teilnehmer wollten ursprünglich über die Europabrücke in die elsässiche Metropole ziehen. Wegen der gewalttätigen Auseinandersetzungen war die Brücke aber gesperrt.

Damit diktiert eine kleine Gruppe Autonomer die Schlagzeilen über die Proteste und Demonstrationen in Straßburg, Kehl und Baden-Baden. Am frühen Morgen, vor der Ankunft des "Schwarzen Blocks", war es lange friedlich in der Straßburger Altstadt, an der Straßensperre am östlichen Stadtrand, in der Nähe des Tagungsorts, versammelten sich einige Demonstranten. "Wir sind friedlich. Was seid Ihr?", riefen sie den Sicherheitskräften zu. Viele Protestler näherten sich den Barrikaden immer wieder mit erhobenen Händen.

Dann allerdings eskalierte die Situation. Die Gruppe der Militanten schwoll an, immer wieder versuchten sie, die Absperrungen zu durchbrechen. 25 Demonstranten, die Baseballschläger und Stöcke bei sich trugen, wurden festgenommen. 13 weitere Protestler wurden kurz vor dem zentralen Festakt auf einer Rheinbrücke zwischen Kehl und Straßburg aus dem Fluss gefischt und in Gewahrsam genommen.

Bereits am Donnerstag und Freitag hatte es vor allem in Straßburg gewalttätige Proteste gegen den Gipfel gegeben. Dabei wurden mehr als 300 Militante festgenommen. Zwei deutsche Nato-Gegner müssen sich am Montag wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor einem Straßburger Gericht verantworten. Die jungen Männer waren am Donnerstagabend bei Krawallen in Straßburg festgenommen worden. Bei ihnen wurde eine Eisenstange und eine Harke gefunden. (svo/dpa/rtr)

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