Anti-Rassismus-Konferenz : Ahmadineschad provoziert Eklat

Irans Staatspräsident erfüllt die Befürchtungen vieler westlicher Länder, die die Genfer Konferenz boykottieren: Er beschimpft Israel als "rassistisch" und "barbarisch".

GenfWie von vielen Ländern befürchtet, nutzte Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad die UN-Konferenz gegen Rassismus am Montag für verbale Übergriffe auf Israel. Die "völlig rassistischen Regierung" Israels beherrsche palästinensische Gebiete, es gebe einen "barbarischem Rassismus". Eine ganze Nation sei heimatlos geworden. "Zionisten" und ihre Verbündeten hätten den Krieg im Irak geplant. Der Zionismus sei der "personifizierte Rassismus". Bereits nach den ersten Worten der Rede verließen die Vertreter der Europäischen Union unter den Protest den Sitzungssaal. Mehrmals versuchten Demonstranten, die Rede Ahmadineschads zu unterbrechen.

Der Auftakt der Anti-Rassismus-Konferenz in Genf war vom Boykott einiger westlicher Länder überschattet worden. Sowohl die USA und Israel als auch die Niederlande, Italien, Polen und Luxemburg hatten keine Delegierten entsandt. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte in letzter Minute am späten Sonntagabend die Teilnahme Deutschlands abgesagt. Grund war die Befürchtung, dass die Konferenz zu einem Podium für anti-israelische Erklärungen werden könnte.

In seiner Eröffnungsrede bedauerte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Absagen. "Wir träumen davon, in eine neue Richtung zu gehen, jedoch bleiben zu viele von uns in der Vergangenheit verstrickt", sagte Ban.

Russland verurteilte den Boykott. Offenbar seien nicht alle Regierungen bereit, sich den wachsenden Herausforderungen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu stellen, sagte der russische Vize-Außenminister Alexander Jakowenko in einem Interview mit der Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta. Auch Österreich kritisierte den Boykott. Das Fernbleiben Deutschlands, Italiens, Polens und der Niederlande sei "kein Stärkezeichen der EU", sagte Außenminister Michael Spindelegger.

Bereits vor Beginn der Konferenz am Montag war es zu einem diplomatischen Eklat gekommen: Nachdem der Schweizer Präsident Hans-Rudolf Merz Ahmadineschad am Sonntagabend offiziell empfangen hatte, berief Israel seinen Botschafter aus der Schweiz ab. (dpa)

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