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Anti-Terror-Einsatz in Pakistan : USA töten versehentlich westliche Geiseln von Al Qaida

US-Präsident Barack Obama hat die volle Verantwortung für "tödliche Fehler" bei einem Einsatz gegen das Terrornetzwerk Al Qaida in Pakistan übernommen. Es starben ein Amerikaner und ein Italiener, der für die Deutsche Welthungerhilfe arbeitete.

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US-Präsident Barack Obama am Donnerstag während seiner Pressekonferenz im Weißen Haus.
US-Präsident Barack Obama am Donnerstag während seiner Pressekonferenz im Weißen Haus.Foto: Mandel Ngan/AFP

Bei einem amerikanischen Anti-Terror-Einsatz an der afghanisch-pakistanischen Grenze sind im Januar versehentlich zwei westliche Geiseln getötet worden. Dabei handelte es sich um einen US-Bürger und einen Italiener. US-Präsident Barack Obama entschuldigte sich auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus am Donnerstagvormittag (Ortszeit) bei den Familien der Getöteten. „Keine Worte können ihren Verlust aufwiegen“, sagte Obama. Er übernehme die volle Verantwortung für alle Operationen gegen den Terrorismus.

Angriff mit Drohne

Bei diesem Einsatz seien Fehler gemacht worden und er wolle, dass die Öffentlichkeit darüber informiert werde, sagte Obama. Die Geheimdienste hätten trotz intensiver Aufklärung nicht gewusst, dass die beiden Al-Qaida-Geiseln aus den USA und Italien in dem angegriffenen Gebäude gewesen seien. „Ich bereue zutiefst, was passiert ist“, sagte Obama. Die Einsätze hätten aber im Einklang mit dem Gesetz gestanden hätten. Im "Nebel des Krieges" könnten manchmal "tödliche Fehler" passieren, sagte Obama. Laut dem „Wall Street Journal“ handelte es sich um einen Raketenangriff mit einer Drohne in Pakistan. Für Obamas Drohnenkrieg gegen den Terror würde dies einen empfindlichen Rückschlag bedeuten.

Der Italiener Lo Porto arbeitete für die Deutsche Welthungerhilfe

Bei dem Einsatz im Januar kamen der Amerikaner Warren Weinstein und der Italiener Giovanni Lo Porto ums Leben, der für die Deutsche Welthungerhilfe arbeitete. Weinstein war 2011 von  Al Qaida entführt worden, Lo Porto ein Jahr später. Gemeinsam mit dem Italiener war in der pakistanischen Stadt Multan auch der Deutsche Bernd Mühlenbeck gefangen genommen worden, er kam allerdings im Herbst 2014 frei. Lo Porto wird als lebensfroher Mensch beschrieben, der immer positiv gedacht hat. Die Welthungerhilfe stand mit den Entführern in Kontakt. „Wir haben uns bemüht, aber in letzter Instanz ergebnislos“, sagt Marc Groß, Leiter der Pressestelle der Welthungerhilfe.

US-Bürger im Dienste Al Qaidas getötet

Regierungssprecher Josh Earnest sagte, bei dem Angriff sei noch ein zweiter US-Staatsbürger getötet worden, der der Al-Qaida-Führung angehört habe. Er sei allerdings nicht Ziel des Einsatzes gewesen. Bei einem separaten Einsatz sei zudem noch ein weiterer Amerikaner getötet worden, der für das Terrornetzwerk tätig gewesen sei. Auch er sei eigentlich nicht speziell ins Visier genommen worden. Die USA hätten keine Information über ihre Anwesenheit gehabt. (AFP, dpa)

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