Politik : Antikes aus Pappe und Blumen vom Premier persönlich Italien rüstet sich für Nato-Gipfel

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Von Thomas Migge, Rom

Italiens Regierungschef und Außenminister Silvio Berlusconi ist voll beschäftigt. In den letzten Tagen kümmerte er sich ausschließlich um die Vorbereitungen zum Nato-Gipfel auf dem italienischen Militärflughafen Pratica di Mare, eine halbe Autostunde von Rom entfernt am Meer gelegen. Er suchte höchstpersönlich sämtliche Pflanzen und Blumen aus, die aus dem eher grauen Flughafen eine, so seine Worte, „typisch italienische Insel der Schönheit machen“ sollen.

Berlusconi lieh sich auch antike Skulpturen aus einem Museum in Neapel aus, damit „meine Besucher einen bleibenden Eindruck von unserer großen Kunst bekommen“. Weil das Museum aber nicht alle vom Regierungschef angeforderten Kunstwerke herausrücken wollte, ließ Berlusconi von den Handwerkern seiner Fernsehkanäle weitere Skulpturen aus Pappmaché anfertigen. Sogar Imitationen römischer Säulen wurden herbeigeschafft, um, so der Stararchitekt Massimiliano Fuskas, „eine Art altrömisches Disneyland zu schaffen, das sich jedem geschmacklichen Urteil entzieht“.

Auf dem Militärflughafen werden Bush, Blair, Schröder und alle anderen Repräsentanten der Nato-Mitgliedsstaaten zusammen mit dem russischen Präsidenten Putin am Dienstag die so genannte „Erklärung von Rom“ bei einer feierlichen Zeremonie unterzeichnen. Damit wird Russland zwar noch nicht Nato-Mitglied, hat aber bei bestimmten Themen die gleichen Mitspracherechte wie die Vollmitglieder. Zukünftig wird Russland zusammen mit der Nato über den weltweiten Kampf gegen Terrorismus und illegalen Waffenhandel diskutieren und die organisierte Kriminalität bekämpfen. Die Unterschrift Putins unter die „Erklärung von Rom“ berechtigt Russland auch, bei Friedensmissionen der Nato dabei zu sein.

15 000 Polizisten und Soldaten sorgen für die Sicherheit der 20 Staatsgäste. Abfangjäger stehen bereit, um mögliche Attentate aus der Luft abzuwehren. Die Nacktbadestrände bei Pratica di Mare werden vorübergehend geschlossen. Rund um die Uhr werden Hubschrauber mit Spezialkameras Rom und Umgebung beobachten und kontrollieren. Die Flughäfen Ciampino und Fiumicino werden aus Angst vor Attentaten aus der Luft geschlossen. „Warum treffen die sich nicht auf einer kleinen Insel im Mittelmeer“, klagen viele Römer. Die römischen Nudisten werden es wohl nicht beim Klagen belassen: Sie wollen splitternackt die Zufahrtswege zum Tagungsort blockieren.

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