Antisemitismus : 53 Angriffe auf jüdische Friedhöfe in einem Jahr

Im vergangenen Jahr ist in der Bundesrepublik im Schnitt pro Woche ein jüdischer Friedhof geschändet worden. Insgesamt 53 Fälle einschlägiger Straftaten meldeten die Landeskriminalämter dem Bundeskriminalamt.

Frank Jansen

Die Polizei spricht von antisemitischen Delikten, bei denen jüdische Friedhöfe die „Angriffsziele“ waren. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) hervor, deren Inhalt jetzt dem Tagesspiegel bekannt wurde. Die Zahl der Schändungen ist damit deutlich gegenüber dem Jahr 2007 gestiegen, damals registrierte die Polizei 30 Angriffe.

Zählt man frühere Antworten des Ministeriums auf Anfragen von Pau zusammen, hat die Polizei bundesweit seit 2002 insgesamt 370 Schändungen jüdischer Friedhöfe festgestellt. Die meisten Angriffe wurden 2002 (60) und 2003 (55) gemeldet, dann folgt schon 2008 mit den 53 Attacken. Bei der Aufklärung der Straftaten war die Polizei nur mäßig erfolgreich. 2008 wurden in zwölf Fällen Täter ermittelt, 2007 nur nach vier Schändungen. Angaben zu den früheren Jahren liegen nicht vor.

Unklar bleibt auch, aus welchem Spektrum die antisemitischen Täter stammen. Vermutlich sind nicht alle Schändungen der rechten Szene zuzurechnen. Als Angreifer kommen auch fanatisierte Muslime und diffus antijüdisch motivierte Personen in Frage.

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