Antisemitismus : Anschlag auf Synagoge in Mainz

Unbekannte haben einen Brandsatz an einer Synagoge in Mainz gezündet. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch verurteilte den Anschlag als "verabscheuungswürdigen Akt".

Die Synagoge in Mainz, entworfen vom Architekten Manuel Herz.
Die Synagoge in Mainz, entworfen vom Architekten Manuel Herz.Foto: dapd

Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag nahe der neuen jüdischen Synagoge in Mainz einen Brandsatz gezündet. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, handelte es sich offenbar um eine Art Molotowcocktail. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) verurteilte den mutmaßlichen Anschlag als "verabscheuungswürdigen Akt". Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev sagte, er vertraue den deutschen Behörden bei der Aufklärung des Vorfalls.

Zeugen hatten Polizeiangaben zufolge eine Stichflamme in unmittelbarer Nähe der Synagoge beobachtet. Laut ersten Ermittlungsergebnissen warfen die Unbekannten den Brandsatz von der Straße an einen Baum, von wo er abprallte und auf dem Boden verpuffte. Schaden entstand an der Synagoge nicht. Die Mainzer Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Bruch, der nach Angaben seines Ministeriums den Tatort noch in der Nacht aufsuchte, wertete den Vorgang als "Angriff auf unsere Demokratie". Nach derzeitiger Sachlage müsse davon ausgegangen werden, dass der Brandsatz der Synagoge gegolten habe. Davon geht auch die Polizei aus, wie ein Sprecher sagte. Der Minister kündigte an: "Gleich wer diesen Anschlag verübt hat, wir werden alles daran setzen, diese feige Tat aufzuklären." Konkrete Hinweise auf mögliche Täter gibt es bislang nicht.

Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev verurteilte den mutmaßlichen Anschlag am Sonntag am Rande eines Israelkongresses in Frankfurt am Main. Er vertraue aber den deutschen Behörden bei den Anstrengungen, den Vorfall aufzuklären. "Ich bin überzeugt, dass die Sicherheitskräfte in Deutschland weiter alles daran setzen, israelische Einrichtungen in der Bundesrepublik zu schützen", unterstrich Ben-Zeev.

Das zehn Millionen Euro teure jüdische Gemeindezentrum in der Mainzer Neustadt entstand nach Plänen des Architekten Manuel Herz und wurde im September dieses Jahres unter anderem von Bundespräsident Christian Wulff eingeweiht. Der Neubau befindet sich am Standort der früheren Mainzer Hauptsynagoge, die in der Reichspogromnacht vom 9. auf dem 10. November 1938 in Brand gesteckt worden war.

Der Polizeisprecher versicherte: "Wir sind bei allem, was mit dieser Synagoge zu tun hat, sehr sensibel." Daher werde der Vorfall auch mit "Hochdruck" behandelt. Die Mainzer Polizeibeamten hätten nach wie vor ein wachsames Auge auf das neu gebaute Gotteshaus. (dapd)

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