Antisemitismus : Pariser Jude wochenlang gequält und dann ermordet

Die Folterung und Ermordung eines Pariser Juden durch junge Kriminelle aus dem afrikanischen Einwanderermilieu hat in Frankreich Entsetzen ausgelöst. Nun befürchten viele eine neue Qualität des Antisemitismus.

Paris - Die brutale Folterung und Ermordung eines Pariser Juden durch junge Kriminelle aus dem afrikanischen Einwanderermilieu hat in Frankreich Entsetzen und Angst vor einer neuen Qualität des Antisemitismus ausgelöst. Mehrere Menschenrechtsorganisationen riefen für Sonntag zu einer «Bürgerversammlung» gegen Judenfeindlichkeit in Paris auf. Anlass ist der Tod des 23-jährigen Ilan Halimi durch Gelderpresser nach dreiwöchiger Geiselhaft.

Am späten Montagabend hatten die Pariser Justizbehörden die Ermittlungen um den Tatbestand der antisemitischen Gewalt ausgeweitet und dem Fall damit eine politische Dimension gegeben. Premierminister Dominique de Villepin versprach dem jüdischen Dachverband CRIF, alles für die volle Aufklärung des Falles zu tun. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë rief zur «Einheit in der Vielfalt bei der Verteidigung der Werte der Demokratie, Toleranz und Achtung» auf.

Halimi war am 21. Januar von einer jungen Frau in eine Falle gelockt und von der Bande drei Wochen lang in einer Wohnung und einem Keller gefangen gehalten worden. Die Verbrecher, die sich selbst «die Barbaren» nennen, forderten Lösegeld von seiner Familie und dem Rabbi einer Synagoge. Am 13. Februar wurde Halimi mit Brand- und Schnittwunden übersät sterbend bei einem Bahnhof nahe Paris gefunden.

Sieben Tatverdächtige, darunter eine Frau, wurden unter dem Vorwurf des Menschenraubs und des rassistisch motivierten Mordes inhaftiert. Der 25-jährige Haupttäter Youssouf Fofana, der sich selbst «Mohammed» und «The brain of Barbarians» (Das Gehirn der Barbaren) nannte, konnte sich in sein Heimatland Elfenbeinküste absetzen. Die Polizei setzte Fahnder auf seine Spur.

Die Bande hatte offenbar nicht zum ersten Mal ihr Opfer im Judenmilieu gesucht, weil sie dort Geld vermutete. Halimi wurde zudem nach Aussage der Behörden misshandelt, weil er Jude war. Die Täter fotografierten ihr Opfer nach dem Vorbild irakischer Geiselnehmer und folterten ihn mit Teppichmessern und brennenden Flüssigkeiten. Das Hauptmotiv der Täter war anscheinend Bereicherung.

Die Menschenrechtsorganisation SOS Racisme erklärte, wenn der rassistische Hintergrund der Tat sich bestätige, sei ganz Frankreich betroffen. Gemeinsam mit dem jüdischen Studentenverband UEJF und der Liga gegen Rassismus und Antisemitismus rief SOS Racisme für Sonntag zu einer Kundgebung auf. Man könne nicht hinnehmen, dass sich rassistische Clichés wie vom reichen Juden in der Gesellschaft verbreiteten. (tso/dpa)

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