Antrittsbesuch : Tusk will "Museum des Zweiten Weltkriegs"

Beim ersten Besuch des frisch gewählten polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk in Berlin sollen Fakten auf den Tisch kommen. Wie geht es mit dem Vertriebenenzentrum und den Entschädigungsforderungen weiter?

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfing den seit Mitte November amtierenden Regierungschef heute Mittag mit militärischen Ehren im Kanzleramt. Bei dem Treffen dürften die drei großen Streitpunkte in den deutsch-polnischen Beziehungen zur Sprache kommen. Dabei handelt es sich um das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin, die Rückgabe- und Entschädigungsforderungen deutscher Vertriebener und Aussiedler sowie die geplante deutsch-russische Gaspipeline durch die Ostsee, die Polen als Transitland umgeht.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen wollten Tusk und Merkel vor die Presse treten. Am Nachmittag will der polnische Ministerpräsident  mit Bundespräsident Horst Köhler im Schloss Bellevue zusammentreffen. Sein erster Auslandsbesuch als Regierungschef hatte Tusk nach Litauen geführt.
  
Klares Nein zu Vertriebenenzentrum

Nach der Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen während der Regierungszeit von Tusks Vorgänger Jaroslaw Kaczynski hatte der Erfolg der liberalen Bürgerplattform (PO) bei der Parlamentswahl im Oktober Hoffnungen auf eine deutliche Entspannung geweckt. Tusk zeigt sich dialogbereiter, vertritt in der Sache der Streitfragen jedoch eine ähnliche Haltung wie die nationalkonservative Vorgängerregierung.

In einem Grußwort auf der Website "Bild.de" forderte Tusk die Bundesregierung auf, die Pläne für ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin endgültig aufzugeben und stattdessen seinen Vorschlag eines "Museums des Zweiten Weltkriegs" als "gemeinsames europäisches Projekt" zu unterstützen. (liv/AFP)

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