Anweisung für Umgang mit Sturmgewehr G36 : "Auf Handwärme abkühlen"

Einzelne Soldaten haben sich immer wieder an den Wehrbauftragten Hellmut Königshaus gewandt und von Problemen mit dem Standardgewehr G36 berichtet. Technische Untersuchungen der Bundeswehr bestätigten das. Daraufhin ging eine Handlungsanweisung an die Truppe raus, die Königshaus "merkwürdig" fand.

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Kann heißlaufen und ausfallen: das G36 der Bundeswehr.
Kann heißlaufen und ausfallen: das G36 der Bundeswehr.Foto: dpa

Als sich in den vergangenen Jahren beim Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) Klagen häufen und  der Bundesrechnungshof die Beschaffung des Sturmgewehrs G36 für die Bundeswehr monierte, von der es rund 160000 bis 170000 Stück bei der Truppe gibt, da ging die Bundeswehr 2012 den Zweifeln  nach. Der Bundesrechnungshof hatte kritisiert, das es keine angemessene Einsatzprüfung gegeben habe, die Waffe mit ihrem  kleinen Kaliber bei Treffern aus größerer Distanz den Gegner nicht sofort kampfunfähig mache und die Kugeln schon bei leichtem Wind abgelenkt würden. Bei der 2012 anberaumten internen Untersuchung durch die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Meppen wurde  festgestellt, dass bei Schnellfeuer nach 150 Schuss Ziele in einer Entfernung über 300 bis 400 Meter nicht mehr zuverlässig getroffen werden.

Daraufhin gab das Einsatzführungskommando folgenden Hinweis an die Truppe heraus, die Thomas Wiegold in seinem Blog "Augen geradeaus" zitiert. Ein Hinweis, den der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP), wie er im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte, "merkwürdig" fand, „einen wenig hilfreichen, weil praxisfernen Hinweis“:

",Nach dem Verschießen von Patronen im schnellen Einzelfeuer oder in kurzen Feuerstößen (150 Schuss Dauerfeuer Gefechtsmunition bzw. max. 100 Schuss Manövermunition) muss bei starker Rohrerhitzung das Rohr (bei offenem Verschluß) auf Handwärme abkühlen, bevor weitergeschossen werden darf.
Aufgrund des Wärmestaus in der Waffe nach schnellem Verschuss einer großen Menge von Munition muss zudem von einer erheblich größeren Streuung ausgegangen werden.
Dadurch wird die zuverlässige Bekämpfung von Zielen bei Kampfentfernungen über 100 Metern mit zunehmender Entfernung deutlich erschwert. Die Trefferwahrscheinlichkeit sinkt dann bei Entfernungen von 300 Metern allein aufgrund der Streuung auf circa ein Drittel.
Nach dem Abkühlen ist die Funktionalität des Gewehrs wieder voll gegeben.
Ist in einer taktischen Situation das Abkühlen des Gewehrs nicht möglich, und muss weitergeschossen werden, ist zu berücksichtigen, dass bei weiterem Feuerkampf Waffen komplett ausfallen können und/oder dauerhaft beschädigt werden."


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