Politik : AOK fordert Pflichtjahr für Ärzte im Osten

Rainer Woratschka

Berlin - Die AOK will den Ärztemangel in ländlichen Gebieten mit einem Pflichtjahr für junge Mediziner bekämpfen. Vor ihrer Niederlassung sollten diese ein Jahr lang als Landarzt arbeiten müssen, forderte der Vizevorsitzende des AOK-Bundesverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Mit Finanzhilfen allein gelinge es nicht, junge Ärzte aufs Land zu locken. Die Selbstverwaltungen der Ärzte müssten sich auch zu unpopulären Aktionen durchringen. Ein Jahr Landarzt sei jedem zuzumuten. Ärztevereinigungen und Bundesregierung lehnten den Vorschlag ab.

Die Vizevorsitzende des Ärzteverbands Hartmannbund, Angelika Haus, nannte den Vorschlag „durch und durch kontraproduktiv“. Junge Leute müssten „motiviert werden, in diese Landstriche zu gehen, nicht demotiviert“, sagte sie dem Tagesspiegel. Zudem schaffe ein Pflichtjahr schlimme Strukturen. „Nach einem Jahr ist der Landarzt dann wieder futsch.“ Der NAV-Virchow- Bund der niedergelassenen Ärzte sprach von einem „Vorschlag aus Absurdistan“ und einem „tiefen Eingriff in die Berufsfreiheit“. Dies erinnere ihn „an die Notstandsgesetzgebung früherer Zeiten“, so Vizevorsitzender Hans-Martin Hübner. Andreas Crusius, Vizepräsident der Ärztekammer, sagte dieser Zeitung, noch mehr Bürokratisierung und Reglementierung machten den Beruf nicht attraktiver. Der Klinikärzteverband Marburger Bund betonte, in Deutschland gebe es keinen Ärztemangel, sondern Ärzteflucht. Ein „Zwangsjahr“ würde diese nur verstärken.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nannte die Idee „nicht sehr geeignet“ und nur ein „letztes Mittel“. Ärzte seien „keine Krankenkassenmitarbeiter, die man irgendwohin delegieren kann“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl dem Tagesspiegel. Sinnvoller seien finanzielle Anreize, wie es sie bereits in allen Ost-Ländern gebe, sowie eine Flexibilisierung des Vertragsarztrechts. „Dazu brauchen wir aber die Politik.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben