Politik : AOK: Sieben Milliarden ließen sich einsparen

Entgegen den Klagen der Ärzte ließen sich nach einer Studie der Krankenkassen bei Arzneien noch bis zu 7,4 Milliarden Mark einsparen, ohne dass die medizinische Qualität leidet. Dies ergab eine am Donnerstagabend in Berlin vorgelegte Analyse des AOK-Bundesverbandes. Danach hätten 22 Prozent der Arzneiausgaben von 33,5 Milliarden Mark in 1999 eingespart werden können. Damit bestehe noch genug Spielraum für wirklich wichtige, aber teure Medikamente.

Nach der Analyse könnten die Kassenärzte allein durch den konsequenten Ersatz teurer Produkte durch billigere Nachahmerpräparate (Generika) etwa 2,4 Milliarden frei schaufeln. Weitere 2,3 Milliarden könne die Substitution teurerer, aber nicht wirklich besserer Analogpräparate durch normale Mittel bringen. Auch bei den so genannten umstrittenen Arzneien sieht der AOK-Verband noch ein Sparpotenzial von 2,7 Milliarden Mark. Als Beispiele für diese Mittel nannte er Venensalben, für die immer noch dreistellige Millionenausgaben anfielen. Der AOK-Verband räumte ein, dass es schwierig sei, die Reserven "bis zum letzten Pfennig" auszuschöpfen.

Nach Ansicht der Pharmaindustrie sind ohne Qualitätsverlust für die Patienten weitere Einsparungen nicht mehr möglich. Schon aus eigenem Interesse wählten Ärzte die günstigste Therapie, teilte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie als Reaktion auf die AOK-Analyse mit. Die deutschen Mediziner seien Spitzenreiter bei der Verordnung von Nachahmerpräparaten. Rund 60 Prozent aller Verordnungen entfielen bereits auf diese Generika.

Kassen und Kassenärzte verhandeln derzeit in den einzelnen Bezirken über die Arzneibudgets für 2000. Die Kassen bieten eine Aufstockung um 1,4 Prozent. Die Ärzte fordern eine stärkere Erhöhung. Sie haften bis zu einer bestimmten Grenze mit ihren Honoraren für die Einhaltung der Budgets. In Bayern wird laut AOK für dieses Wochenende eine Entscheidung des Schiedsamtes erwartet. In einigen anderen Bezirken zeichne sich eine einvernehmliche Lösung ab.

In 1999 haben nach Zahlen des AOK-Verbandes acht der 23 Kassenärztlichen Vereinigungen ihre regionalen Arzneibudgets um insgesamt 410 Millionen Mark überschritten. Die Haftung der Ärzte bleibt aber auf fünf Prozent der Budgetsumme beschränkt. Mögliche Regressforderungen der Kassen fielen also niedriger aus. Trotz der Überschreitung in acht Regionen haben die Ärzte den AOK-Zahlen zufolge bundesweit gerechnet fast 500 Millionen Mark weniger verordnet, als das Budget erlaubt.

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