Politik : AOK-Umfrage: Praxisgebühr ist akzeptiert

Aber klare Absage an Erhöhungen

Berlin - Die Deutschen haben ihren Frieden mit der Praxisgebühr gemacht, wollen für Arztbesuche aber auch nicht mehr bezahlen als die bisherigen zehn Euro pro Quartal. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter mehr als 2500 gesetzlich Krankenversicherten. Ideen aus Koalition und Medizinerverbänden, die Gebühr künftig bei jedem Praxisbesuch zu erheben oder die Patienten gar prozentual an den Behandlungskosten zu beteiligen, erteilten die Befragten eine klare Absage.

Die Ablehnung von Veränderungen sei „an Deutlichkeit kaum zu übertreffen“, fasste WIdO-Geschäftsführer Klaus Jacobs das Ergebnis zusammen.

Nur neun Prozent sind für eine konsequente Besuchergebühr, nur 5,9 Prozent für prozentuale Beteiligung. Die übergroße Mehrheit (82,4 Prozent) dagegen möchte die Regelung beibehalten haben, wonach die Gebühr einmal pro Quartal fällig wird.

Das Überraschende sei weniger die Ablehnung neuer Belastung als die Akzeptanz der bestehenden, sagte Jacobs dem Tagesspiegel. 68,4 Prozent plädieren für die Beibehaltung der Praxisgebühr, nur 26,5 Prozent fordern ihre Abschaffung. Das war bei der Einführung im Jahr 2004 noch anders. Die damalige Ministerin Ulla Schmidt (SPD) bekam heftigen Bürgerzorn zu spüren und sogar Morddrohungen. Auch wegen der gewachsenen Zustimmung müsse man mit dem Ausbau des Instruments „äußerst vorsichtig sein“, empfahl Jacobs. Die „mittlerweile recht hohe Akzeptanz“ könne schnell in „generelle Missbilligung umschlagen“.

Laut Jacobs lässt sich Patientenverhalten kaum durch höhere Zuzahlungen steuern. Man wisse, dass 20 Prozent der Versicherten den Großteil der Ausgaben verursachten. „Dagegen hilft keine Praxisgebühr.“ Wie wenig der Versuch zur „Individualsteuerung“ fruchte, zeige sich bei den Privatkassen „Die machen das alles, und es bringt kaum was.“ Stattdessen verlangten sie nun „händeringend nach direkten Vertragsbeziehungen zu den Leistungserbringern“. Höhere Selbstbeteiligung berge zudem das Problem, nie richtig dosiert zu sein. „Wenn sie zu niedrig ist, hat sie keine Steuerungswirkung.“ Und wenn sie zu hoch sei, laufe man Gefahr, wirklich Behandlungsbedürftige abzuschrecken – und dem System so nur höhere Folgekosten zu bescheren, sagt Jacobs. Rainer Woratschka

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