Apec-Gipfel in Peking : China und der Westen: Unkriegerische Rivalen

Apec-Gipfel in China: Ökonomische Entwicklung ist Peking wichtiger als Machtgehabe. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Russland - vor allem für den Westen und die USA. Ein Kommentar.

Christoph von Marschall
Ein Herz und eine Seele? Na ja, vielleicht nicht ganz. Barack Obama und Xi Jinping auf dem Apec-Gipfel in Peking.
Ein Herz und eine Seele? Na ja, vielleicht nicht ganz. Barack Obama und Xi Jinping auf dem Apec-Gipfel in Peking.Foto: AFP

Warum bleibt es in Asien friedlich? Sprengstoff gibt es genug, um Kriege vom Kaliber des Ukrainekonflikts auszulösen: der Streit um Inseln im Ost- und im Südchinesischen Meer; die unaufgearbeiteten Kriegsverbrechen der Japaner an Chinesen und Koreanern; die Rivalität um Rohstoffe, Märkte und Einflusszonen; die Suche mehrerer Nachbarn Chinas nach Rückversicherung bei den USA, darunter die Transpazifische Wirtschaftszone TPP; der Kampf der Demokratiebewegung in Hongkong um freie Wahlen.

Nach russischen Maßstäben würde wohl jeder dieser Streitpunkte als Anlass für verdeckte oder offene Militäraktionen genügen. In Peking herrscht aber kein Putin. China agiert anders – umsichtiger, berechenbarer, interessengeleitet. Ökonomische Entwicklung ist den Chinesen wichtiger als Großmachtgehabe; Frieden gilt als unabdingbare Voraussetzung.

Das heißt nicht, dass Peking gewaltfrei vorgeht. Es lässt seine Muskeln spielen. Im Streit um Inseln und Hoheitsgebiete drängen seine Militärjets die Flugzeuge der Rivalen ab; seine Fregatten rammen Schiffe. Der Umgang mit ausländischen Investoren wird härter. Protestierer müssen mit Schlagstöcken, Dissidenten mit Hausarrest rechnen. Den heißen Krieg sucht Peking aber zu vermeiden. Deshalb ist eine strategische Partnerschaft des Westens mit China, obwohl es sich offen zur Einparteiherrschaft bekennt, möglich – mit Putins Russland, auch wenn es sich als Pseudodemokratie verkleidet, hingegen schwierig.

In wenigen Jahren wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Erde ablösen

China und den USA fällt ein gelassener Umgang miteinander leichter, weil beide sowohl Respekt vor dem Rivalen als auch Grund für ein gefestigtes Selbstbewusstsein haben. Russland ist dagegen ein Land im Abstieg und hat seinen Partnern außer Rohstoffen wenig anzubieten. In wenigen Jahren wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Erde ablösen. Die USA werden jedoch dank ihrer Innovationskraft noch lange technisch überlegen bleiben. Ihr Gesellschaftsmodell übt zudem auf viele Nationen größere Anziehungskraft aus als das chinesische.
Zu Übermut sehen beide keinen Anlass. Für Präsident Obama beginnt die „Lame Duck“-Periode reduzierter Durchsetzungskraft. Die Wirtschaft hat sich noch nicht voll erholt. Angesichts der Herausforderungen in Arabien, Asien und Europa muss die Supermacht sich vor einem „Overstretch“ hüten, der ihre Ressourcen überfordert.
China befindet sich seit Jahren in einem Wettlauf gegen sich selbst. Was nimmt schneller zu: die inneren Probleme oder deren Lösungen? Die Wachstumsraten gehen zurück. Der Weg vom Entwicklungs- zum Schwellenland war leichter, als es der Sprung zur international eingebundenen Wirtschaftsmacht Nummer eins wird.
Rivalität ja, aber ohne Waffengebrauch. Dieser gemeinsame Nenner macht es wahrscheinlich, dass es in Chinas Umgebung auch künftig weniger kriegerisch zugeht als rund um Russland.

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