Apple-Chef Tim Cook spendet sein Vermögen : Warum Amerikas Reiche großzügiger sind

Reiche Amerikaner spenden oft ihr Vermögen. Das kündigt nun auch Apple-Chef Tim Cook an. In Deutschland ist das unüblich. Hier wird lieber in der Familie vererbt, statt etwas für die Gemeinschaft zu tun. Ein Kommentar.

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Tim Cook ist seit 2011 Apple-Chef.
Tim Cook ist seit 2011 Apple-Chef.Foto: Reuters

Tim Cook ist erst 54 Jahre alt, doch schon jetzt spricht der Apple-Chef davon, was einmal mit seinem Geld passieren soll. Auf bis zu 800 Millionen Dollar wird das Vermögen des Steve-Jobs-Nachfolgers geschätzt. Er wolle es komplett für wohltätige Zwecke spenden, kündigte er im Magazin „Fortune“ an: „Man will der Kieselstein in einem Teich sein, der die Wellen für einen Wandel auslöst.“ Zuvor wolle er nur noch seinem zehnjährigen Neffen das Studium bezahlen, sagt Cook, der sich im vergangenen Herbst als schwul outete und keine Kinder hat.

Der Apple-Chef ist damit der letzte in einer langen Reihe äußerst wohlhabender Amerikaner, die ihr Geld loswerden wollen. Warren Buffett, Bill Gates und nun auch Cook: Sie alle können sich auf das Vorbild von Andrew Carnegie berufen, der um 1900 zum reichsten Mann der Welt wurde und die moderne Philanthropie begründete. Der Stahlbaron schrieb damals: „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“

Ein moralisches Gebot, Reichtum wieder zu teilen

Anders als in Deutschland stellen Wohlhabende in den USA ihren Reichtum zu Lebzeiten oft unbefangen zur Schau. Gleichzeitig aber scheinen sich viele in einer alten puritanischen Tradition zu sehen, wonach es ein moralisches Gebot ist, Reichtum wieder zu teilen. Das korrespondiert mit der urliberalen Überzeugung, wonach jeder seines Glückes Schmied sein soll – was generell gegen die Vererbung großer Vermögen spricht.

Fälle wie der von Cook fallen in eine Zeit, in der auch in Deutschland die Vererbung des großen privaten Nachkriegsvermögens näher rückt. Die Deutschen streiten über ein paar Prozentpunkte bei der Erbschaftsteuer, während reiche Amerikaner von sich aus wissen, was zu tun ist. Ganz so einfach aber ist es nicht. Cook und Buffett wird man nicht zu nahe treten, wenn man ihnen neben Altruismus auch den Wunsch nach Prestige und Selbstverwirklichung unterstellt – über den Tod hinaus.

Doch warum gibt es so wenig Philanthropie in Deutschland? Weil Besitz hier nicht so sehr als das Eigentum eines Einzelnen, sondern als das einer Gemeinschaft gilt. So paradox es klingt: Dies ist auch ein Grund dafür, dass die Erbschaftsteuer bei uns nach wie vor niedriger ist als in vielen anderen Ländern – gleichzeitig aber die Ungerechtigkeit bei der Vermögensverteilung mit jedem Jahr lauter beklagt wird.

In Deutschland wird das Vererben, nicht das Geben als soziale Tat verstanden. Kaum verwunderlich ist es deshalb, dass nun manche Sozialdemokraten höhere Freibeträge bei der Vererbung von Familienunternehmen fordern, als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dies tut.

Schon immer war die Familie der zentrale Bezugspunkt im deutschen Erbrecht. Durch das gemeinsame Erbe soll die Familie über den Tod der Elterngeneration hinaus zusammengehalten werden – eine Vorstellung, die sich bis ins Kaiserreich zurückverfolgen lässt. In den USA dagegen wird dem Vererbenden mehr Freiheit zugestanden: Kinder zum Beispiel können dort in viel stärkerem Umfang enterbt werden, als es bei uns der Fall ist. Die Realität allerdings sieht auch in Deutschland anders aus. Oft sind es gerade Erbstreitigkeiten, die Familien nach einem Tod erst recht zerbrechen lassen.

Warren Buffett hat dem vorgebeugt – und seine drei Kinder inzwischen enterbt. Sie sollten selbst lernen, richtig Geld zu verdienen, sagt er. Denn sein großes Erbe würde ihnen nur den Antrieb dazu rauben.

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