Politik : Araber wollten El-Al-Maschine sprengen

Terroranschlag auf dem Frankfurter Flughafen geplant / Angestellter sollte bestochen werden

Frank Jansen

Berlin/Frankfurt am Main - Die deutschen Sicherheitsbehörden sind dem Plan einer Gruppe arabischer Terrorverdächtiger auf die Spur gekommen, ein israelisches Verkehrsflugzeug anzugreifen. Die potenziellen Attentäter wollten einen am Flughafen Frankfurt am Main arbeitenden Angestellten bestechen, Sprengstoff an Bord einer El-Al-Maschine zu schmuggeln. Der Mann, der Zugang zum Sicherheitsbereich des Flughafens hatte, habe sich bereit erklärt, „gegen Entlohnung einen Koffer oder eine Tasche mit Sprengstoff“ in das Flugzeug zu bringen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Es gab aber Streit um die Höhe der „Entlohnung“.

Vergangenen Freitag durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts in Hessen und Rheinland-Pfalz neun Wohnungen und nahmen fünf Terrorverdächtige vorläufig fest. Ein weiterer saß bereits wegen nicht terroristischer Delikte seit kurzem im Gefängnis. Bis auf den Häftling wurden alle anderen Tatverdächtigen wieder auf freien Fuß gesetzt. In den Wohnungen hatten die Fahnder offenbar keinen Sprengstoff und kaum andere verwertbare Hinweise gefunden.

Wie der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen erfuhr, stammt die Mehrheit der Tatverdächtigen aus Jordanien und ist palästinensischer Herkunft. 2002 hatten Mitglieder der Terrorgruppe des Jordaniers Abu Mussab al Sarkawi in Deutschland Anschläge auf jüdische Einrichtungen geplant. Sarkawi wurde später im Irak Statthalter von Al Qaida. Ob es zwischen der Truppe Sarkawis, der im Juni im Irak von den USA getötet wurde, und den Tatverdächtigen im aktuellen Fall Verbindungen gibt, ist noch unklar. Laut Bundesanwaltschaft wird nach Hintermännern des geplanten Anschlags gefahndet.

Gegen die sechs bisher unbekannten Männer ermittelt Generalbundesanwältin Monika Harms wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und wegen der möglichen Unterstützung einer solchen Gruppierung. Im Sommer bekamen die Sicherheitsbehörden erste Hinweise auf die Gruppe. Seitdem wurde sie überwacht. In Sicherheitskreisen hieß es am Montag, die Gefahr, dass die Araber tatsächlich eine Maschine der El Al hätten angreifen können, sei nicht sehr groß gewesen. Außerdem hätten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt bewusst frühzeitig zugegriffen, um sicher vorzubeugen. Man sei dafür das Risiko eingegangen, dass die Hinweise auf ein Attentat, die während der Überwachung der Gruppe gesammelt wurden, für eine Anklage nicht reichen könnten. Eine direkte Verbindung zu den im August in London verhinderten Anschlägen islamistischer Terroristen auf bis zu zehn Passagiermaschinen scheint es nicht zu geben. Sicherheitsexperten ließen aber offen, ob die Terrorverdächtigen hier durch die Berichte über die Attentatspläne in Großbritannien angeregt worden sein könnten. Nach unbestätigten Berichten könnte der Anschlag auch für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer geplant gewesen sein.

Von deutschem Boden aus wurden mehrmals Angriffe auf Israelis gestartet. 1972 starben während der Olympischen Spiele in München elf israelische Sportler, die ein Kommando der palästinensischen Terrorbewegung „Schwarzer September“ überfallen hatte.

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