Arabische Halbinsel : Sieben Deutsche in Jemen entführt

Im Norden des Jemen sind nach Behördenangaben sieben Deutsche und zwei weitere Ausländer entführt worden. Auch drei Kinder sind unter den Gekidnappten.

Sanaa/Berlin -  Schiitische Rebellen hätten sie verschleppt, teilte das Verteidigungsministerium in Sanaa am Sonntag auf seiner Website mit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte zunächst nur, dass sieben deutsche Staatsbürger vermisst würden.

Bei den Deutschen handele es sich um ein Paar, drei Kinder und zwei Krankenschwestern, erklärte das Verteidigungsministerium unter Berufung auf einen Behördenvertreter der Region Saada. Bei den beiden anderen Entführten handele es sich um einen britischen Ingenieur und eine südkoreanische Lehrerin. Die neun Ausländer gehörten zu einer internationalen Hilfsorganisation, die für ein Krankenhaus der Stadt Saada tätig sei. Das genaue Datum der Entführung war unklar. Forderungen seien bislang nicht gestellt worden, hieß es weiter. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin bestätigte am Sonntagnachmittag lediglich, dass im Jemen sieben deutsche Staatsbürger vermisst würden. Noch seien die Umstände „völlig unklar“. Ein Krisenstab sei eingerichtet, die deutsche Botschaft in Sanaa stehe in „engstem Kontakt“ mit den örtlichen Behörden.

Entführungen sind im Jemen beinahe Alltag, sie gehören, so der Nahost-Experte Guido Steinberg, „seit Jahrzehnten zur politischen Kultur Jemens“. Seit Mitte der 90er Jahre sind dort mehr als 200 Ausländer gekidnappt worden, meist endeten die Entführungen unblutig und nach relativ kurzer Zeit. Der in Deutschland bekannteste Fall war die Entführung des früheren Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, der im Dezember 2005 auf Einladung der jemenitischen Regierung im Jemen war und mit seiner Frau und seinen drei Kindern verschleppt wurde. Im vergangenen Dezember wurde eine deutsche Architektin, die seit zehn Jahren für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit gearbeitet hat, mit ihren Eltern entführt, die sie besucht hatten. Alle drei kamen nach fünf Tagen wieder frei. Im Januar wurde ein deutscher Ingenieur zwei Tage von Geiselnehmern festgehalten.

Hintergrund der Kidnappings sind meist Machtkämpfe lokaler Stämme mit der Zentralregierung in Sanaa. Sie hat über Teile des Landes keine Kontrolle, sucht ihren Anspruch aber gelegentlich durchzusetzen, indem sie Stammesangehörige festsetzt, die gegen zentrale Gesetze verstoßen haben. Darauf regieren die mit Entführungen, durch die sie – mit Erfolg – hoffen, Druck ausüben zu können. Auch im Fall der Familie Chrobog war dies der Fall. Immer wieder geht es den Entführern auch darum, mehr Unterstützung der Zentralregierung für ihr Gebiet herauszuschlagen. Im vergangenen Jahr verschärfte Sanaa die Strafen für Entführungen drastisch; sie können jetzt auch mit dem Tod bestraft werden. Die Kidnappings sind nicht zuletzt eine Gefahr für den florierenden Tourismus in Jemen, einem Land mit alter und hoch entwickelter Kultur. AFP/Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben