Politik : Arabischer Gipfel: Der virtuelle Arafat

Charles A. Landsmann

Ariel Scharon übt Selbstkritik. Erstmals. Der israelische Regierungschef war schon als General umstritten, weil er immer alles besser wusste. Nun bedauert er erstmals öffentlich eine seiner wichtigsten Entscheidungen. Er hätte sich nicht gegenüber den USA verpflichten sollen, Arafat persönlich nichts anzutun - "ich machte einen Fehler". "Ich hätte von den Vereinigten Staaten verlangen sollen, Arafat aus der Region zu entfernen. Er ist noch immer kein Partner."

Vor den Aktivisten der Likud-Partei legte er dann noch einen kurzfristigen Drei-Punkte-Plan vor, der Waffenstillstand, eine lange Interimsphase und danach politische Verhandlungen vorsieht. Doch sämtliche Details dieses Planes sind unbekannt: Welche Leistungen ist Scharon bereit zu erbringen für einen Waffenstillstand, wie lange soll die Interimsphase andauern und was soll in dieser Zeitspanne passieren? Welche nach seinen Worten "schmerzhaften Verzichte" will er in ein Endstatus-Abkommen einbringen, das er aber - glaubt man seinen früheren Äußerungen - gar nicht anstrebt?

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Während die Weltöffentlichkeit auf einen Waffenstillstand wartet, beschäftigt sich Scharon vor allem mit seinem wahren Feind: Benjamin "Bibi" Netanjahu. Auch wenn die nächsten Knesset-Wahlen erst im Oktober 2003 anstehen, führen beide bereits einen heftigen Wahlkampf - auf Kosten Arafats.

Doch demütigen kann Scharon Arafat. Die Entscheidung, ob der Palästinenserführer nach Beirut fahren darf, wurde am Dienstag auf den letztmöglichen Termin, also Mittwochmorgen verschoben: Arafat sollte zappeln. Die USA, Außenminister Schimon Peres und die Armeeführung bedrängten Scharon, Arafat reisen zu lassen. Am Dienstag abend machte dieser dem Gezerre selber ein Ende: Er ließ seinen Informationsminister Jassir Abed Rabbo mitteilen, dass er nicht am Gipfel teilnehmen werde. Kurz vorher hatte Scharon gesagt, die Umstände seien "nicht reif" für eine solche Reise - und zwei Bedingungen für eine Reisegenehmigung genannt: Arafat müsse eine Erklärung in arabischer Sprache an sein Volk richten, in der er zur Beendigung der Gewalt aufrufe. Und Israel müsse es ermöglicht werden, ihm die Rückkehr in die Palästinensergebiete zu verbieten, falls es während seiner Abwesenheit Anschläge gebe. Am Dienstag gab es wieder zwei davon: Nahe Hebron wurden zwei UN-Beobachter, darunter ein türkischer Offizier, von Palästinensern offenbar aus Versehen erschossen. Und bei der Explosion einer Autobombe südlich von Jerusalem wurden zwei palästinensische Attentäter getötet.

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