Politik : Arafat-Behörde verhaftet PFLP-Führer

Die palästinensische Autonomiebehörde hat am Dienstagabend in Ramallah den Führer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, festgenommen. Dies bestätigte am Abend sein Stellvertreter, Abdel Rachim Maluach. Israel beschuldigt Saadat, den Mord an Tourismusminister Rechawam Seewi vor drei Monaten befohlen zu haben, und hatte mehrfach die Festnahme des PFLP-Chefs von Palästinenserpräsident Jassir Arafat verlangt. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde Arafat seit anderthalb Monaten am Verlassen Ramallahs gehindert.

Während die PFLP die sofortige Freilassung ihres Generalsekretärs verlangte, reagierte die israelische Regierung mit Skepsis. Nach Angaben des israelischen Rundfunks sagte Raanan Gissin, Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon, er werde die Nachricht von der Festnahme erst glauben, wenn er Saadat "hinter Gittern" gesehen habe.

Maluach sprach von einem "Trick" der Autonomiebehörde. Saadat sei von einem palästinensischen Repräsentanten zu einem Gespräch eingeladen worden. Während des Treffens sei das Gebäude von der palästinensischen Polizei umzingelt worden und man habe Saadat festgenommen. Maluach verurteilte die "gefährliche, politisch motivierte Festnahme", die auf israelischen Druck hin erfolgt sei. Der israelische Online-Nachrichtendienst "y-net" meldete, der Gesprächspartner Saadats sei der Geheimdienstchef im Westjordanland, Taufik Tiraui, gewesen.

Maher Taher, ein PFLP-Sprecher in Damaskus, forderte die sofortige Freilassung Saadats und sprach ebenfalls von einer "sehr gefährlichen Entwicklung". Die Autonomiebehörde habe sich israelischen Forderungen unterworfen. Mohammed Dachlan, Polizeichef im Gazastreifen, bestritt, dass der PFLP-Funktionär nur festgenommen wurde, um Israel dazu zu bringen, Arafat wieder Bewegungsfreiheit zu geben. Saadat werde nicht an Israel ausgeliefert werden, versicherte Dachlan im arabischen Fernsehsender El Dschasira.

Die PFLP hatte sich im Oktober zur Ermordung des ultrarechten Ministers Seewi bekannt, mit dem sie die Liquidierung ihres Generalsekretärs Abu Ali Mustafa am 27. August vergangenen Jahres durch die israelische Armee rächen wollte. Saadat, der zum Nachfolger Mustafas gewählt wurde, war seit der Ermordung Seewis am 17. Oktober untergetaucht.

Die von Arafat befohlene Waffenruhe erwies sich am Dienstag als brüchig. Zwei israelische Zivilisten wurden bei Bethlehem und nördlich von Jerusalem von Palästinensern getötet. Die radikal- islamische Organisation Hamas drohte mit einer neuen Serie von Anschlägen, falls Israel Arafat in seiner Bewegungsfreiheit einschränke.

Der israelische Generalstabschef Schaul Mofas hatte zuvor erklärt, Extremistengruppen hätten ihre Vereinbarung mit der Autonomiebehörde zur Einhaltung der Waffenruhe mit Israel aufgekündigt. Dagegen betonte ein Sprecher Arafats, man werde die von dem Palästinenserpräsidenten Mitte Dezember angeordnete Waffenruhe trotz der jüngsten, tödlichen Zwischenfälle im Westjordanland und Gazastreifen fortsetzen.

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